Bernard Ostersiek: Wendlandericks, Lippericks, Leute von gestern, Dialoge


    Wendlandericks


    Ein Nonsense-Poet kam ins Wendland,
    wo Ortsnamen er prominent fand.
    Die schnürte er fix
    zu Wendlandericks
    mit vorliegendem Sortiment-Band.


    Die "-Au" ist im Wendland sehr häufig.
    Zwei Dutzend sind mir auch geläufig:
    Wie Schmardau und Schmessau,
    auch Schmarsau und Schweskau -
    das ist, mit Verlaub, fast schon teuflig.

    Ein Fußballer tönte in Beesen,
    er sei ein begnadetes Wesen,
    und dass er in Gollau
    den Kasten stets voll hau' -
    das könnt' in der Zeitung man lesen.

    In Bergen (mit Klammerwort "Dumme")
    erhob sich ein wütend' Gebrumme,
    weil Gästen beim Kegeln
    mit randvollen Pegeln
    nie's Lästerwort "Dumme" verstumme.

    Es war mal ein Papa aus Billerbeck,
    den packt' eines Tages ein stiller Schreck:
    Er sah, seine Tochter,
    - es hieß auch: die mocht‘ er –
    die lief ihm doch glatt mit ’nem Killer weg!

    Es war mal ein Schüler aus Bösen,
    der konnte die ganze Zeit dösen.
    Und Schlaf in der Penne
    (den ich sehr gut kenne),
    kann Schüler vom Stress schon erlösen.

    Es war mal ein Mädchen aus Brandleben,
    das hatt' sich beim lockeren Landleben
    im Lande der Sorben
    den Magen verdorben -
    da musst' es vom Mund in die Hand leben.

    Ein Schlesier kam mal nach Braudel,
    vermisste daselbst gleich ein Baudel,
    und in jedem Gärtel
    sah er auf der Erdel
    kein einziges Kroatzbeeren-Staudel.

    Es war mal ein Schotte in Bredenbock,
    der grapschte wahrhaftig an jeden Rock.
    Zwar störte die Beute
    das Schimpfen der Leute,
    doch dacht' er sich nur: "Lass sie reden, Jock!"

    Nach Breese zu finden ist harsch.
    Da wird man als Fremder leicht barsch.
    Gleich dreimal die Suche:
    "an Göhrde", "im Bruche"
    und schließlich auch noch "in der Marsch".

    Es lockte ein Jüngling aus Bussau
    ein Mädchen vom Dorf in die Fluss-Au,
    wohl just weil er plante,
    was dieses nicht ahnte,
    dass er ihr da draußen 'nen Kuss klau'.

    Es war eine Jungfrau aus Clenze,
    die schwärmte von manch einem Stenze,
    doch ging einer flitzen
    und ließ sie gar sitzen,
    dann trank sie von jedwedem Brenze.

    Es war mal ein Kellner aus Dambeck,
    dem fuhr eines Morgens die Tram weg,
    was ihn derart störte,
    dass lauthals er röhrte,
    wie sehr er jetzt deshalb im Schlamm steck'.

    Es putzt' ein Schneewittchen aus Dannenberg,
    die Woche beim Klempner den Wannenberg.
    Doch sonntags kam Benno,
    ein Bursche aus Klennow,
    als - sagen wir - ihr "Dann-und-wannen-Zwerg".

    In Darzau gab's mächtig Tamtam.
    Man stritt um den Namen sich stramm,
    sobald man entdeckte,
    was niemandem schmeckte:
    dass Zadrau man sei (Anagramm).

    Es hatte ein Mann aus Diahren
    in Belau sich einmal verfahren.
    Dann kam er in Bückau
    dazu in 'nen Rückstau -
    das ärgerte ihn noch nach Jahren.

    Bei Dickfeitzen klingelt mein Ohr:
    wie Wittfeitzen kommt es mir vor.
    Glieneitz oder Reddebeitz,
    Timmeitz sowie Reddereitz
    vervollständigen diesen Chor.

    Es machte ein Jüngling aus Eichengrund
    bei Lomitz im Wald einen Leichenfund.
    Er kriegte 'nen Schrecken
    von diesem Entdecken
    und obendrein noch einen bleichen Mund.

    Ein Dichterling dort aus Gamehlen
    versuchte sich mal an Ghaselen.
    Zwar tat ihm was fehlen
    wie allen Kamelen,
    doch Spöttern sprang er an die Kehlen.

    Es wurde ein Teppich aus Ganse,
    ein Erbstück aus Zeiten der Hanse,
    verkauft in Kussebode,
    doch war er sehr marode
    und täglich verlor er 'ne Franse.

    Es trank eine Dame aus Gedelitz
    in Polen entsetzlich viel Slibowitz.
    Mit steigendem Pegel
    strich sie dann die Segel
    und lallte zum Schluss nur noch "Llelelitz".

    Es war mal ein Lümmel aus Gohlefanz,
    der hatte im Kopf nichts als Firlefanz:
    Er hauste in Reetze
    und manchmal in Zeetze -
    und trieb es am tollsten in Tolstefanz.

    Es war ein Chaufföhr mal in Göhr,
    der hatt' hin und wieder Malhöhr.
    Er fuhr zwar nicht schlecht,
    auch niemals bezecht,
    doch parkte er stets nach Gehöhr.

    Es lag nah' der Elbe ein Gorleben
    mit salzgeologischem Vorleben.
    Das sahen die Leute
    als ganz scharfe Beute,
    und Gorleben kriegte ein Bohrleben.

    Es war mal ein Jüngling aus Grünewald,
    der wirkt' von Statur wie ein Hüne bald,
    doch hatt' er im Lädchen
    des Hirns lose Rädchen
    und stürzte sich in einer Düne Spalt.

    Es tat mal ein Kerl aus Guhreitzen
    im Gasthaus sich unheimlich spreizen,
    er schwimme im Reichtum
    fast so wie im Scheichtum
    und heize sein Haus nur mit Weizen.

    Es war mal ein Maler in Gülden,
    der wollt' sich in Kunst noch mehr bülden,
    studierte in Bülitz
    und später in Külitz
    die Werke der dortigen Wülden.

    Es war ein Pennäler aus Gummern,
    den sah man nie wach und nur schlummern.
    Doch Schlaf in der Penne,
    wie ich das so kenne,
    bekommt ja zuvörderst den dummern.

    Ein Schlagzeugbeklopfer aus Hitzacker,
    der hatte den Spitznamen "Spitzhacker".
    Das machte ihm Qualen,
    drum ging er ans Malen,
    doch brachte er's hier nur zum Spritz-Lacker.

    Es war mal ein Hofhund aus Jabel,
    der aß nur mit Messer und Gabel.
    Doch wer als Parabel
    das sah und als Fabel,
    dem stieß er die Gabel in'n Nabel.

    Ein seltsamer Tiernarr aus Jameln
    genoss es, mit Kleinvieh zu dameln,
    was ihn ruinierte,
    und er emigrierte
    als Ratteneinfänger nach Hameln.

    Es war mal ein Bauer aus Jasebeck,
    der popelte aus seiner Nase Dreck.
    Das war nicht profitlich,
    auch unappetitlich -
    vor Schreck lief ihm gar sein Stallhase weg.

    Es war mal ein Lümmel aus Jiggel,
    der fing sich im Herbst immer Iggel.
    Die wollte er essen
    als Delikatessen
    und kochte sie sich in 'nem Tiggel.

    Es war mal ein Jüngling aus Kähmen,
    der konnte sich schlicht nicht bezähmen,
    am Ortsrand von Bösel
    sein Badegehösel
    mit Blättern und Schlamm zu verbrämen.

    Es tanzte ein Pärchen aus Kaltenhof
    in Winter und Schnee einen kalten Schwof.
    Das fanden von Riebrau
    bis Riskau und Riekau
    die Jungen genau wie die Alten doof.

    Es laberte Hinnerk aus Karwitz
    so manchen und uralten Sparwitz.
    Am Ende, da machte
    und tobte und lachte
    er selber und sagte: "Das  w a r spitz!"

    Ein Schnorrer, gebürtig aus Kassau,
    versuchte sein Glück einst in Passau,
    doch konnt er als "Preiße"
    in Bayern nix reiße.
    Da ließ er sich nieder in Nassau.

    Es fuhr eine Maid aus Keddien
    beschwipst einen Truck von Reddien
    bis hin zur Behörde
    der Bullen in Göhrde -
    die schnappten erst sie und dann ihn.

    Es gab eine Hexe in Kiefen,
    die hatte ‘nen Hals, einen schiefen,
    so dass all die Tropfe
    herab aus dem Kopfe
    stets neben die Schuhe ihr liefen.

    Ein Teenagerlümmel aus Köhlen
    tat gerne die Kehle sich ölen,
    und war er mal blau,
    dann war es ihm flau,
    und er war entsetzlich am Nölen.

    Es fuhr ein Student mal aus Kolborn
    nach London, und da zwar nach Holborn.
    Dort kaufte er ein,
    nicht Bier und nicht Wein,
    und bald darauf war er ganz voll Korn.

    Es kochte ein Kerl aus Kollase
    aus Katzengedärm "Falscher Hase",
    und als die Gerüche
    durchzogen die Küche,
    da rümpften die Gäste die Nase.

    Es protzte ein Mann aus Kremlin,
    mit Vorfahren auch aus Marlin,
    er sei zwar keen Reuße,
    dafür jedoch Preuße,
    und zwar janz jenau aus Berlin.

    Ein Pfarrvikar aus Kreyenhagen,
    der wollt' die in Bischof mal fragen,
    woher denn ihr Nam'
    vom Ursprung wohl kam,
    doch die konnten ihm das nicht sagen.

    Es war mal ein Yogi aus Kriwitz,
    der liebte vor allem den Kniesitz
    im Haus seiner Wirtin,
    'ner lieblichen Hirtin,
    doch vornehmlich war er auf die spitz.

    Es war mal ein Spielmann aus Kröte
    von glitschiger, garstiger Röte.
    Doch nicht, weil er schielte!
    Es war, nun, er spielte
    nur schlüpfriges Zeug auf der Flöte.

    Es glänzte ein Kerl aus Krummasel
    mit dämlichem, leerem Gefasel.
    Er sagte: "Kukate
    kommt nur von Dukate,
    und 'Nichte' in Zürich heißt 'Basel'."

    Es waren zwei Mädchen aus Künsche,
    die hatten besondere Wünsche,
    doch waren die Knaben
    dafür nicht zu haben -
    da zogen in Dünsche sie Flünsche.

    Ein kölnisches Girl rief in Küsten,
    geplagt von ganz wilden Gelüsten:
    "Ä, Pitter, wann küste?"
    Da kam er und küsste
    die Spitzen an all' ihren Fingern.

    Es bohrte ein Mädchen aus Laase
    ganz ungeniert in seiner Nase
    und warf dann im Zimmer
    bei Kerzenscheinschimmer
    die Ausbeute in eine Vase.

    Es war mal ein Däumling aus Landsatz,
    der hatte in fast jeder Hand Platz,
    und spielt' er am Strande
    vergnüglich im Sande,
    dann schützte man ihn mit 'nem Sandlatz.

    Ein schwatzhafter Opa aus Langendorf
    erzählte zumeist kleinen Rangen Torf,
       zum Beispiel: "Wenn Katzen
       mal Kaugummi schmatzen,
    dann kriegen die Bubblegum-Schlangen Schorf."

    Es kriegte ein Knabe aus Langenhorst
    beim Joggen wohl einen ganz langen Dorst.
    Er trank in Pussade
    so viel Limonade,
    bis dass ihm die Hose trotz Spangen borst.

    Es tat mal ein Blender aus Leisten
    im Gasthaus sich mächtig erdreisten,
    er kenne in Soven
    wohl alle Alkoven,
    doch war er nur blau wie die meisten.

    Es aß mal ein Knabe in Lemgow
    Salate nach Stoppuhr mit Tempow.
       Zur Strafe dafür
       war "zu" eine Tür.
    Vor der stand er zappelnd mit Klemm-Pow.

    Es schluckte ein Jüngling aus Lensian
    in Österreich etlichen Enzian.
    Mit bleierner Zunge
    und pfeifender Lunge
    sprach er dann die Mädchen als "Ssenssi" an.

    Es war mal ein Lustmolch aus Lenzen,
    der kannte fast gar keine Grenzen.
    So ließ er sich düsen
    nach Lüggau und Lüsen
    und nackt dort mit Weinlaub bekränzen.

    Es hatte ein Mädchen aus Liepe
    ein Büddelchen Schnaps in der Kiepe,
    aus dem sie gern tankte,
    bis sie nur noch schwankte -
    das war ihr ganz schnurz und auch piepe.

    Wenn Winter ist in Liepehöfen,
    was meint Ihr, wohin die dann löfen,
    die Mädchen und Knaben,
    die Eisbeine haben?
    Natürlich nach Haus an die Öfen!

    Es ritt mal ein Knabe aus Loge
    als Surfer 'ne mächtige Woge,
    doch weil er viel wog,
    fiel er analog
    zum Opfer der Woge im Soge.

    Es tüftelte einmal in Lübeln
    ein Rundling mit eckigen Dübeln.
    Das waren zu schmale,
    da nahm er ovale
    als kleinstes von mehreren Übeln.

    Es war mal ein Mädchen in Lüchow,
    das schwärmt' für den Mörder aus "Psycho".
    Drum sang sie im Wald
    mit schmelzendem "Alt":
    "Üch lübe, üch lübe nur Düch, o!"

    Es tat mal ein Penner aus Malsleben
    vor allem von Hopfen und Malz leben.
    Das ließ in Meußließen
    zu heftig er fließen -
    da musst' er mit Schluckauf im Hals leben.

    Es war mal ein Koch aus Mehlfien,
    der rutschte im Mehl auf den Knien.
    Da kriegt' er vom Mehle
    zuviel in die Kehle -
    erstickt in dem Mehl fand man ihn.

    Ein Feuerwehrlehrling aus Meuchefitz,
    der kaute die Feuerwehrschläuche spitz.
    Dem Chef (voller Grimm)
    sagt' er: "Halb so schlimm
    als wenn ich in Japan die Bäuche schlitz'!"

    Es war eine Putzfrau aus Meudelfitz,
    die schaffte fast so wie ein Schleudersitz,
    und nach ihrem Sterben
    da weinten die Erben
    und schrieben im Nachruf: "Dem Feudelblitz".

    So manch' liebe Männer aus Mützen,
    die wollen die Mädchen nicht kützen.
       Das ist kein Betrug,
       doch auch nicht sehr klug
    und führt oft zu ganz falschen Schlützen.

    Es stieg ein Naturfreund aus Nauden
    im Riesengebirg' auf die Bauden.
    Gefragt: "Warum das?",
    sprach er: "Es macht Spaß,
    von oben zu sehen die Stauden".

    Es war mal ein Vielfraß aus Nausen
    Bananen aus Bausen am schmausen,
    und bis Salderatzen
    ertönte das Schmatzen
    von diesem Bananen-Banausen.

    Es war mal ein Säufer aus Nebenstedt,
    der soff sich am Safte der Reben fett,
    und dreht' sich sein Magen
    an hellichten Tagen,
    dann waren die Folgen nicht eben nett.

    Es harrte ein Mann aus Nienwalde
    recht lang' seiner Fee auf 'ner Halde,
    zunächst ganz pflichtschuldig,
    doch dann ungeduldig:
    "Ach käm' sie doch, käm' sie doch balde!"

    Es trug mal ein Jüngling aus Obergut
    ein Essenstablett wie's ein Ober tut
    von Seedorf nach Loitze
    und später nach Proitze -
    dann glänzte sein Kopf in Zinnoberglut.

    Es war mal ein Jüngling aus Plate,
    der schmachtete nach der Beate.
    Doch konnte sein Magen
    den Schmaus nicht vertragen -
    das hat er jetzt von dem Salate.

    Ein durstiger Kerl aus Prezelle
    trank einst auf die Schnelle zehn Helle.
       Dann fiel er in Krautze
       ganz schön auf die Schnauze
    und sah das nur als Bagatelle.  

    Mammoißel, Predöhlsau, Prezier
    sind nicht meine Lieblinge hier.
    Ich kann sie nicht leimen
    mit Limerick-Reimen,
    obwohl ich es ständig probier'.

    Es sagte ein Mann aus Pudripp,
    wenn nur mit dem Finger er schnipp',
    dann gäb es zu Hause
    'ne mächtige Sause
    mit Bier und mit Wein und mit Flip.

    Es war ein Pennäler aus Püggen,
    schon einer von diesen fast flüggen.
    Den konnte nach Streichen
    kein Pauker erreichen,
    denn immer konnt' er sich "verdrüggen".

    Ein ältliches Fräulein aus Puttball
    versucht' es in England mit Futtball,
    und irgendso'n Schrat
    gab ihr einen Rat,
    damit sie nicht auf ihren Dutt fall'.

    Es war mal ein Bursche aus Quarstedt,
    der trank sich ganz high in High Barnet,
    und als die Polente
    ihn stoppte samt Ente,
    da schmiert' er die Bobbies - mit Haarfett.

    Es war mal ein Maler aus Reitze
    von außergewöhnlichem Geize.
    Der tränkte die Gäste
    bei jeglichem Feste
    aus Kostenersparnis mit Beize.

    Es war mal Knabe aus Saaße,
    aß Frösche und Kröten zum Spaße
    und kam von dem Schlucken
    ganz kräftig ans Spucken -
    das hatte er nun von dem Fraße.

    Es wollt' mal ein Kerl aus Sallahn
    per Schnackenburg-Boot nach Dragahn.
    Am Wasser tat's hapern,
    und kurz hinter Kapern
    da strandete er bei Schreyahn.

    Es zog mal ein Kölner in Sarenseck
    die Frau aus der Kneip' an den Haaren weg.
    Da schrie sie: "Do Schesser,
    do weeß alles besser
    un bis ävver nix als nen wahren Jeck!"

    Es war mal ein Zahnarzt aus Satkau,
    der jedem, der jemals ein Blatt kau',
    das Ding maledeite
    und ihm prophezeite,
    dass er seine Zähne sich platt kau'.

    Es fiel eine Schlampe aus Schlanze
    ganz bös' auf "denselben" beim Tanze.
    Sie goss in Predöhl
    die Flecken mit Öl -
    und "eins auf die Lampe" in Lanze.

    Ein war mal ein Knabe in Schnega,
    der spielte so gern Schornsteinfega,
    doch einmal zog's ihn
    tief in den Kamin.
    Jetzt hat er Asyl hier als Nega.

    Es war mal ein Seemann aus Siemen,
    der glaubte, dass Fische gern priemen.
    Er nahm sie beim Kopf
    und gab dann - stopfstopf -
    das Zeug ihnen hinter die Kiemen.

    Es war mal ein Kerl aus Simander,
    der hatt'se nicht all' beieinander.
    Er aß mit den Pfoten
    geröstete Schoten
    und manchmal ein Stück Salamander.

    Es hatte ein Bauer aus Spranz
    'nen uralten Trecker von Lanz,
    der qualmte und bockte
    und spuckte und stockte,
    doch war er sein Stolz voll und ganz.

    Es wollte ein Drucker aus Süthen
    vor Ärger kein bisschen sich hüten,
    und weil es ihn juckte,
    da ging er und druckte
    die schönsten Fünfhundert-Mark-Blüten.

    Es war mal ein Fischer aus Thune,
    der strandete an einer Buhne
    und wenig geschickt
    hat er sich gespickt
    den Leib mit der eig'nen Harpune.

    Es war mal ein Herr aus Thunpadel,
    von altem, ja, uraltem Adel,
    was ihn nicht genierte,
    so dass er verführte
    die Mägde in Schober und Stadel.

    Es war mal ein Hahn aus Trabuhn,
    der hatte ganz bannig zu tun
    mit Krähen und Kratzen,
    drum ließ in Dommatzen
    man ihn bald im Backofen ruhn.

    Es war mal ein Jüngling aus Tramm
    um sieben Uhr morgens schon stramm.
    Er schwankt' von Pretzetze
    bis kurz vor Wietzetze
    und soff immer noch wie ein Schwamm.

    Es war mal ein Suchtrupp aus Trebel,
    der trug eine Stange mit Hebel
    durch Fließau und Karmitz
    nach Tießau und Tarmitz
    und stocherte hilflos im Nebel.

    Der heißeste Typ aus Vierhausen
    macht alles total - ohne Pausen.
    Denn ist er auch reinlich,
    so ist er nicht kleinlich:
    raucht Pfeife sogar noch beim Brausen.

    Es stieg mal ein Volk aus Volkfien
    im Urlaub auf jeden Kamin
    in Schutschur und Banzau,
    Grünhagen und Ranzau -
    seitdem heißt es Hohenvolkfien.

    Ein bayrischer Kutscher in Weitsche,
    der knallte vor Wut mit der Peitsche,
    als Leute es wagten
    und scherzhaft ihm sagten:
    "Die Bayern san Preißn un Deitsche!"

    Ein Tanzmädchen aus Winterweyhe,
    das tanzte ganz gern aus der Reyhe
    beim Kinderballett,
    und das war nicht nett
    und führte zu lautem Geschreyhe.

    Es schluckte 'ne Köchin aus Wirl
    versehentlich mal ihren Quirl.
    Das konnte ihr Magen
    zwar nicht gut vertragen,
    doch galt sie als quirliges Girl.

    Es war mal ein Dichter aus Zargleben,
    der konnte vom Dichten nur karg leben.
    Er reimte zwar Katemin
    manierlich auf Satemin,
    doch irgendwann musst' er im Sarg leben.

    Es aß mal ein Mann in Zernien
    die Sacher'sche Torte aus Wien.
    Die war ihm zu deftig,
    da spuckte er heftig -
    das hörte man noch in Sellien.


    ... und westlich davon am Ostrand der Lüneburger Heide.

    Ein lesender Opa aus Addenstorf,
    der liebte am meisten den Palmström-Korf.
       Auf Reisen von Hansen
       nach Barnsen und Bahnsen
    verlor er ihn leider in Hamerstorf.

    Ein Teenager-Girl aus Aljarn
    kam reichlich zerkratzt aus dem Farn.
       Bei Oma in Barum
       - gefragt nach dem "Warum" -
    spann sie dann ein mächtiges Garn.

    Kreis Uelzer Senioren ham's gut;
    denn wenn das Erwerbsleben ruht,
       dann lässt man sich bringen
       nach Altenmedingen,
    doch auch Altenebstorf es tut.

    Die "-Auen" sind grün wie der Klee
    und winters wohl weiß voller Schnee:
       Von Gansau nach Gestau
       und Grabau bis Nestau
    auch Gerdau und Könau ich seh'.

    Ein Kurgast aus Köln in Bad Bevensen,
    (genauer: der Pitter-Jupp Schreven sen.)
       hatt's eilig zur "Schüssel"
       und rief nach dem Schlüssel:
    "Nu maache se, maache se, jeven sen!"

    Es klagten zwei Damen aus Bankewitz,
    dass man in der Sauna im Schranke sitz'
       und während man sitze
       bei tierischer Hitze
    in Wirklichkeit fast wie 'ne Kranke schwitz'.

    Es war mal ein Dichter aus Bargfeld,
    der hatte, wenn überhaupt, karg Geld.
       So sichtet und schichtet
       er Worte und dichtet,
    bis er eines Tags in den Sarg fällt.

    Es war mal ein Schlemmer aus Beverbeck,
    der gab sich in Köln wie "en leever Jeck".
       Nur bei den Getränken
       tat er sich verrenken,
    weil lieber als "Kölsch" er "ein Jever leck'".

    Es war ein Rabauke aus Bockholt,
    der jedem Girl gleich an den Rock wollt'.
       Bei Annika eben
       ging's derart daneben,
    dass fix er sich ganz ohne Bock trollt'.

    Es sprang eine Jungfer aus Bode,
    (das war grad in Bode so Mode)
       bei Kerzengeflimmer
       im Teenagerzimmer
    von ihrer Kommode zu Tode.

    Der Boden, so heißt es in Bodenteich,
    sei außergewöhnlich torfsodenreich.
       Fällt wer in die Matsche
       und sitzt in der Patsche,
    dann werden ihm sämtliche Loden weich.

    Es war ein Hausierer in Boecke,
    den störte das Ziegengeblöke,
       doch konnt' er die Ziegen
       zur Ruhe nicht kriegen -
    auch nicht mit dem Wurf seiner Höke.

    Es sprach eine Gräfin in Bohlsen
    zur Zofe, der jungen Lil Olsen:
       "Mir ist so, als ob
       der Hund im Galopp
    davonläuft. Ich bitte sie, hol se'n!"

    Es war mal ein Bauer aus Bohndorf,
    der kaufte einst mit seinem Sohn Torf.
       Der Preis für die Sachen
       war wirklich zum Lachen
    und erntete Spott nur als Hohnstorf.

    Es sagte ein Gastwirt in Bollensen
    zum klapprigen Hinnerk-Jan Ollensen:
       "'nen Klaren in Ehren
         kann keiner verwehren.
    Na, Hinnerk, wat is denn nu - wollensen?"

    Ein sparsames Mädchen aus Borg
    macht' Ferien einst in New York.
       Das fand sie sehr teuer
       und gar nicht geheuer.
    Drum aß sie statt "pork" auch nur Kork.

    Es hatte in Bauer aus Borne
    'ne ziemliche Tonne da vorne.
       Gefragt nach der Her-
       kunft sagte dann er:
    "Die hab ich natürlich vom Korne."

    Es führten zwei Hirten aus Bornsen
    'nen Ziegenbock, doch dann verlornsen.
       Als sie dann nach Stunden
       ihn wiedergefunden,
    da hauten vor Ärger aufs Hornsen.

    In -bostels bescheidener Reihe,
    da fand ich tatsächlich nur dreie:
       von Allen- und Bram-
       nach Hohen- ich kam,
    dem ich seinen Namen verzeihe.

    Es war mal'n Brutalo aus Brauel,
    der deckelte Frauen aus Gauel.
       Man hörte ihn sagen:
       "Gibt's etwa noch Fragen?
    Sei ruhig, sonst kriegst was aufs Mauel!"
      
    Ein Holländer kam mal nach Breitenhees
    und wurde gefragt: "Kannst du reiten, Kees?"
       Da sprach er: "Von Pferden
       versteh ich auf Erden
    nur, was ich auf Bild-Zeitungs-Seiten les'."

    Ein zwölfjährig' Mädchen aus Bröckel
    wollt' unbedingt handbreite Stöckel.
       Mit solcherlei Schuh
       fiel um sie im Nu -
    da war sie ganz schön "von de Söckel".

    Gar friedliche Leut' sind die "Büttel,"
    an denen man, bittsch”n, nicht rüttel'!
       Begegnet man ihnen
       bei Störten- und Bienen-,
    dann schwingen sie nicht mal den Knüttel.

    Es fuhr mal ein Kerl aus Dallahn
    in Wellendorf mit einem Kahn.
       Doch waren die Wellen
       dort von den ganz schnellen
    und kippten ihn um ganz profan.

    In -dorf kann der Landkreis schön hausen,
    -dorfs Vielzahl kann einem schon grausen:
       von Masen- zu Naten-,
       auch Sasen- und Taten- ...
    drum lass ich den Rest jetzt auch sausen.

    Auch -torf bringt uns ganz schön ins Schwitzen.
    Zwei Dutzend mal kann man dort sitzen:
       von Eddelstorf, Almstorf
       nach Kettelstorf, Walmstorf
    und Jas- oder Jelms- muss man flitzen.

    Es war mal ein Macho in Dörmte,
    den einmal, bevor sie ihm törmte,
       die Freundin erzürnte,
       indem sie ihn hürnte,
    was ihn auch nach Jahren noch wörmte.

    Es war eine Dame aus Dreilingen,
    die wurde mal Mutter von Zweilingen.
       Noch zehn Jahre später
       bestritten zwei Väter
    die Rechtmäßigkeit von Ein-Ei-lingen.

    Es wünschte ein Jüngling in Drohe
    sich Brünhildens wabernde Lohe,
       damit sie ihn reinigt'
       von dem, was ihn peinigt' -
    von einem kleinwüchsigen Flohe.

    Bei Ellerndorf klingelt mein Ohr:
    Wie Emmendorf kommt es mir vor.
       Auch Jarlitz und Thielitz
       mit Varbitz und Zieritz
    vervollständigen diesen Chor.

    Es war mal ein Kerlchen aus Eppensen,
    auf Ausflügen nannten 'nen Deppen se'n,
       denn wenn schon in Reisenmoor
       er zog seine Börse vor,
    dann wusste gleich jeder: "Jetzt neppen se'n.

    Es war mal ein Säufer aus Esterholz,
    der hieß an der Mosel nur "Tresterbolz".
       Er trank ein Fass Wein
       de facto allein.
    Dann aß von dem Fass noch den Rest er stolz.

    Es war mal ein Jäger aus Flinten,
    der lud keine Flinten von hinten.
       Er prahlte in Pinten,
       das seien nur Finten -
    so ähnlich wie Aachener Printen.

    Es fuhren die Kinder aus Gollern
    die Straßen hinab mit den Rollern,
       und ging's mal zu schnelle
       bei diesem Gefälle,
    dann kam es zu bollerndem Kollern.

    Es war mal ein Gastwirt aus Graulingen,
    der hielt absolut nichts von Laulingen,
       die Freibier nur tranken,
       bis dass sie versanken
    im grölenden Status von Blaulingen.

    Groß-Ellenberg und Groß-Pretzier
    sind nicht meine Lieblinge hier.
       Ich kann sie nicht leimen
       mit Limerick-Reimen,
    auch wenn ich es dauernd probier'.

    Ein komischer Kauz aus Groß-Liedern
    der zappelte gern mit den Gliedern
       und trug dann - o Wunder! -
       nebst anderem Plunder
    Modelle von farbigen Miedern.

    Es gab mal ein Bauer aus Haaßel
    dem Hund seine Katze zum Fraaßel.
       Zwar wollten die Krallen
       dem Hund nicht gefallen,
    doch hatte der Bauer sein Spaaßel.

    Es war eine Landfrau aus Häcklingen,
    die nervt' ihre Kinder mit Stecklingen
       und fand jeden Abend
       parkettbodenschabend
    die Fußspuren von diesen Drecklingen.

    Es war eine Lady in Hagen,
    die braucht' man nicht lange zu fragen,
       ob "Ja" oder "Nein":
       Sie willigte ein
    und war danach kaum zu ertragen.

    Auf Parties trank Finchen aus Hanstedt,
    als ob sie im Leib eine Wann' hätt'.
       Dann lallte sie trunken,
       es hätt' ihr gestunken,
    daá sie immer noch keinen Mann hätt'.

    Es war mal ein Bäcker in Heitbrack,
    der hielt während all' seiner Zeit Schnack.
       So sagte er mal:
       "Is mir doch egal,
    ob Brötchen ich lang oder breit back'."

    Ob Groß- oder Klein- nimmt in –Hesebeck
    sich alles in acht vor Therese Beck:
       Denn hat sie beim Küssen
       danebengebissen,
    ist meistens die Hälfte der Neese weg.

    Ein Nymphchen dort aus Hohenfier
    verging fast vor heißester Gier
       und tat drum an Knaben
       ganz gerne sich laben -
    und nicht nur mal da und mal hier.

    Ein Backlehrling aus Hohenzethen
    konnt' immer nur einhändig beten.
       Die andere Flosse
       nahm dieser Genosse,
    um gleichzeitig Teige zu kneten.

    Es lebte ein Schlossgeist in Holdenstedt,
    der gab einer Zofe ein golden' Kett-
       chen, just weil er plante,
       was diese nicht ahnte,
    zu wärmen sich wohl in der Holden Bett.

    Ein durstiges Mädchen aus Höver
    probierte in Holland Genöver,
       und durch dieses Tanken
       geriet sie ins Schwanken
    und war schließlich völlig hinöver.

    Es prahlte ein Seeman aus Kakau,
    auf Landgang in Polen (in Krakau):
       "Die 'Krakauer' schmecken
       wie heftige Zwecken -
    als ob ich genagelte Rah' kau!"

    Ein rundlicher Jäger aus Kallenbrock
    trug gern auf der Jagd einen drallen Rock.
       Man nannte von Hambrock
       bis runter nach Maßbrock
    und überall ihn einen prallen Bock.

    Es fuhr eine Maid aus Kattien
    beschwipst einen Truck nach Katzien.
       Im Zentrum von Holxen,
       da zeigte dem Volk se'n,
    dann schnappten die Bullen sich ihn.

    Ein Jagdpächter dort aus Kirchweyhe,
    der schoss in Klein-Bünstorf Geweihe -
       Trophäen für Lüder,
       doch zwei seiner Brüder,
    die kriegen das nicht auf die Reihe.

    Ein Ordensmann aus Klein-Pretzier,
    verkostete gerne ein Bier,
       doch kam einer gucken,
       dann ließ er das Schlucken
    und tat so, als läs' er Brevier.

    Es briet sich ein Angler aus Kroetze
    am Feuer 'ne prächtige Plötze.
       Doch ist ihm das Braten
       ganz mächtig missraten:
    Die Fischfilets schmeckten wie Klötze.
      
    Es war mal ein Töpfer aus Lehmke,
    der formte aus Lehm ein Emblehmke
       für wen aus Langenbrügge,
       doch wurd' der Lehm zu drügge
    und mauserte sich zum Problehmke.

    Es mochte ein Knabe aus Linden
    am Mittagstisch schmackhaft nichts finden.
       Da ging er bei Konstantin
       zu kräftigen Bäumen hin
    und knabberte an ihren Rinden.

    Es war mal ein Kleiner aus Lintzel,
    wie'n Gartenzwerg wirkte der Winzel.
       Auch trug er 'ne Brille
       (das war so sein Wille),
    damit er wie'n solcher auch blinzel'.

    'Ne Musikstudentin aus Medingen,
    die konnte partout nicht das "E" singen,
       verzog sich marode
       weit weg nach Wulfsode
    und hoffte auf baldiges Ge-lingen.

    Es war eine Maid mal in Mehre,
    die traf man recht oft im Verkehre,
       und ob ihrer Windigkeit
       hielt sie von Geschwindigkeit
    recht viel, aber nicht von der Ehre.

    Ein ältliches Fräulein aus Molbath
    trug gern einen künstlichen Vollbart.
       Das war nicht verboten,
       doch sang sie auch Zoten
    in jeder erdenklichen moll-Art.

    Es waren drei Mädchen aus Molzen
    der übelsten Sorte der Stolzen.
       Sie lachten der Schmerzen
       wenn männliche Herzen
    verkrachten und brachen und schmolzen.

    So manch' liebe Leute aus Müssingen,
    die halten rein gar nichts vom Küssingen.
       Das ist kein Betrug,
       doch auch nicht sehr klug
    und führt oft zu ganz falschen Schlüssingen.

    Ein war mal 'ne Lose aus Nettelkamp,
    die jobbte ein bisschen als Vettel-Vamp,
       doch eh' sie's gedacht,
       nicht ganz über Nacht,
    da war sie nur noch eine Bettel-Schlamp.

    Es war mal ein Kerl aus Neu-Lüder,
    ein wirklich absonderlich prüder;
       denn wenn eine Frau
       ihn auch nur anschau-
    te, stellt' er sich müde und müder.

    Es kriegte ein Mensch aus Neumühle
    ganz plötzlich recht wilde Gefühle.
       Er konnt' sie nicht lähmen,
       geschweige bezähmen -
    jetzt schnitzt im Wildwesten er Stühle.
      
    Es trat mal ein Freiherr aus Nievelitz,
    mit Namen Karl-Georg von Schieve-Litz,
       bei Freunden in Eimke
       in Kleister und Leimke -
    zum Glück aber nur mit der Stiefelspitz.

    Ein -nottorf kommt selten allein,
    das muss im Kreis Uelzen so sein.
       Man kriegt es zu fassen
       als Drögen- und Nassen- -
    das spart mir 'nen Limerick ein.

    Es war mal ein Trottel aus Növenthien,
    der kniete sich gern vor die Möwen hin
       und schlürfte ein "Radler".
       Dann fing er 'nen Adler
    und kraulte beherzt wie 'nen Löwen ihn.

    In Oetzendorf wie auch in Oetzen
    kann man sich an Plötzen ergötzen.
       Denn sind die gefroren
       bis über die Ohren,
    verwechselt man gern sie mit Klötzen.

    Ein Geld-und-so-Makler aus Oldenstadt,
    der ließ sich mit Knete besolden satt.
       Er machte und gierte
       und spekulalierte,
    bis daß er die Nase schön golden hatt'.

    Ein Urlauber fand es in Polau
    im Sommer noch nicht einmal so lau,
       wie er es erwartet,
       da ist er gestartet
    nach England mit Fähren von Olau.

    Ein Heilsarmeeleutnant aus Prielip
    trank aus Überzeugung gar nie Flip.
       Er aß auch nur brave Kost
       aus Ripdorf und Havekost
    und fand das ach-frag-mich-nicht-wie hip.

    Ein windiges Kerlchen aus Räber
    spazierte einst ziemlich makäber
       mit Grinsen und Spreizen
       in Emern und Eitzen
    und Brockhöfe über die Gräber.

    Ein Schnorrer, gebürtig aus Rassau,
    versuchte sein Glück einst in Passau,
       doch konnt er als "Preiße"
       da unne nix reiße
    und ließ sich dann nieder in Nassau.

    Es war mal ein Tierfreund aus Rätzlingen,
    der hatte stets Massen von Setzlingen
       zu Hause im Schuppen
       und kochte draus Suppen -
    ja, all' seinen Hunden und Kätzlingen.

    Janina und Jan aus Retzien,
    die fuhren nach Griechenland hin.
       Dort füllte Janina
       sich an mit Retsina
    und war dann "Retziena" für ihn.

    Ein Mistkerl verließ jüngst in Rieste
    sein Mä„dchen, als das einmal nieste.
       Da sprach dann die Arme
       in schrecklichem Harme
    von ihm nur noch als von dem Bieste.

    Ein Fremder kam einmal nach Röbbel
    und sagte: "Ich hier kaufen Möbbel".
       Als Skinheads sich spreizten
       und Leute aufheizten,
    da floh er dann doch vor dem Pöbbel.

    Ein heimlicher Säufer aus Römstedt,
    der tat sich stets mit meinem Öhm nett
       und lag ihm im Magen
       mit dauerndem Fragen,
    ob er nicht für ihn einen Köm hätt'.

    Ein Metzger, nicht Uelzer, nein - Roscher,
    der schlachtete manchmal nicht koscher
       und war auch politisch
       den Kunden zu kritisch -
    er galt ihnen nämlich als "gauche-r".

    Es war ein Student aus St. Omer,
    ein grüner und recht autonomer,
       der kannte die Dichter
       nicht mal als Gesichter
    und hielt den Ovid für den Homer.

    Ein munteres Pärchen aus Schier
    vergnügte sich mit 'nem Fass Bier.
       Erst fühlt' es sich toll,
       dann sternhagelvoll
    und fand auch nicht mehr sein Quartier.

    Es war eine Jungfrau aus Schlagte,
    die ständig und laut sich beklagte,
       warum von den Kerlen
       der anderen Perlen
    nicht auch einmal sie einer fragte.

    Es war mal ein Teenie aus Stadorf,
    die schwärmte für Mario Adorf
       und folgte ihm gleich
       bis über den Teich
    nach Hollywood dort bei L.-A.-Dorf.

    Die Puppenvorführer aus Stadensen
    erschaffen den Kasper, dann ladensen
       hinauf auf die Bühne
       und dort voller Kühne
    bewegen und regen am Fadensen.

    Die "-stedter" im Kreis ham's nicht leicht;
    denn ist ihnen Süstedt zu seicht,
       dann denk ich, dass Böddenstedt
       wie Wessenstedt, Göddenstedt
    vielleicht auch noch Riestedt nicht reicht.

    Ein seltsamer Schneider aus Stöcken
    der nähte am Strande von Lökken
       in prallvoller Sonne
       mit heimlicher Wonne
    am liebsten an weiblichen Röcken.

    Es stieg eine Jungfer aus Stoetze
    im Bergwerk mal bis in die Flöze,
       um Bergluft zu naschen,
       doch hinterher waschen -
    dafür war dann doch viel zu blöd se.

    Es war mal ein Landwirt in Streuberg
    bekannt für 'nen riesigen Heuberg.
       Auch ging ihm im Leben
       kein Wort je daneben:
    So sagt' er statt Sauhaufen Säu-Berg.

    Es leistet' ein Doktor aus Strothe
    sich eine sehr peinliche Schote.
       Er grüßt' auf 'nem Feste
       die weiblichen Gäste:
    "Gestatten, gnä' Frau, küss' die Pfote."

    Es suchte ein Jüngling aus Tatern
    in Kratern nach räudigen Katern.
       Doch dieses Theater
       missfiel seinem Vater
    trotz Patern als Krater-Beratern.

    Ein Hesse kam einmal nach Törwe
    und sagte mit dreistestem Nörve:
       "Ich möcht amal Ihre
       kloi Mädche verfihre
    un weeß bloß net, ob die des dörwe."

    Es war mal ein Ratsherr in Uelzen -
    den hörte man immer nur suelzen
       (weil er mal gewesen
       bei Hongkong-Chinesen),
    man müsse den Haushalt schön kuelzen.

    Es war mal ein Schluckspecht aus Velgen,
    der konnte die ganze Zeit schwelgen,
       was er schon getroffen
       und runtergesoffen
    an Bier dort im Lande der Belgen.

    Ein sparsames Mädchen aus Weste
    macht aus allen Lagen das beste;
       denn was man so in Lutmissen
       und Wichmannsburg weggeschmissen,
    verwertet sie clever als Reste.

    Ein Tanzmädchen aus Westerweyhe,
    das tanzte ganz gern aus der Reyhe
       beim Kinderballett,
       und das war nicht nett
    und führte zu lautem Geschreyhe.

    Ein Weihnachtsbaumhändler aus Wichtenbeck,
    bekam eines Tags keinen lichten Schreck:
       Da hatten die Blagen
       vom nahen Grünhagen
    geholt ihm die besten der Fichten weg.

    Es war mal ein Knabe in Wieren
    bewandert in Schnäpsen und Bieren,
       die gerne er tankte,
       bis er nur noch schwankte
    und schließlich kroch auf allen Vieren.

    Es war eine Oma aus Wriedel,
    die geigte dem Enkel ein Liedel
       von Hütern und Schafen,
       doch der konnt' nicht schlafen
    von wegen dem schrägen Gefiedel.

    Ein Pfadfinder aus Zarenthien
    wollt' neulich nach Hohenweddrien,
       zu Fuß über Kölau,
       verlief sich bei Schmölau
    und starb dann vor Schreck in Probien.

      

    Lippericks

    Ein Limerick-Dichter aus Lippe,
    der aß in Berlin eine Schrippe,
    die alt war und hart,
    und er brach beim Start
    sich gleich auch daran eine Rippe.

    Zwei Limerick-Dichter aus Lippen,
    die fielen in Sylt von den Klippen
    hinunter ins Meer.
    Das gibt nicht mehr her:
    Man sucht noch nach ihren Gerippen.

    Drei Lipperick-Dichter aus Limmen,
    die kamen beträchtlich ins Schwimmen,
    denn Sylt und Berlin
    gehört hier nicht hin,
    und deshalb kann das auch nicht stimmen.

    Es folgen die lippischen Orte
    mit Namen oft seltsamer Worte.
    Die reizen nun mal
    das Reimpotenzial,
    das (unlippisch) gar nicht Verdorrte.

     Es war mal ein Pfarrer aus Almena,
    der glaubte sich immer dem Psalme nah,
    doch als die Gemeinde
    ihm wurde zum Feinde,
    da war er dem Wipfel der Palme nah.

    Ein fleißiger Kaufmann aus Alverdissen
    versah sein Geschäft ziemlich dienstbeflissen,
       und nur bei der Steuer
       war's ihm nicht geheuer;
    denn die hat ihn manches Mal schwer besch...ummelt.

    Einst hat man den Leuten von Asemissen
    ein wichtiges "E" einfach weggerissen.
       Als Asmissen heute
       erfreut es die Leute
    doch keiner dort ist hin- und hergerissen.

    Ein schwatzhafter Knabe aus Asendorf
    erzählte zumeist seinen Basen Torf,
       zum Beispiel: "Wenn Katzen
       mal Kaugummi schmatzen,
    dann kriegen die Bubblegum-Blasen Schorf."

    Bei Barkhausen klingelt mein Ohr:
    Wie Borkhausen kommt es mir vor.
       Auch Westorf und Tintrup
       mit Welstorf und Brüntrup
    vervollständigen diesen Chor.

    Ein Knabe in Dörentrup-Bega,
    der spielte so gern Schornsteinfega,
       doch einmal zog's ihn
       tief in den Kamin.
    Jetzt hat er Asyl hier als Nega.

    Ein durstiger Jüngling aus Belle
    trank einst auf die Schnelle zehn Helle.
       Dann fuhr er in Rott
       sein Auto zu Schrott
    und sah das nur als Bagatelle.  

    Ein cleveres Kerlchen aus Bellenberg
    tat, ohne zu wollen, kein gutes Werk:
       Verkauft' alle Hunde
       in knapp einer Stunde.
    Das Dorf heißt statt Bellen- jetzt Kreienberg.

    Ein schmuddliger Bursche aus Berlebeck,
    der machte zumeist für zwei Kerle Dreck.
       Drum mochte die beiden
       bald keiner mehr leiden,
    und außerdem lief ihm die Perle weg.

    Ein Dorftrottel aus Bexterhagen
    war wirklich nicht gut zu ertragen.
       Man schob ihn von Bentorf
       nach Brüntorf und Kalldorf,
    doch nahm man ihn gern in Nienhagen.

    Zwei Eltern aus Biemsen-Strich-Ahmsen,
    die wollten ein Knäblein benamsen.
       Doch war'n sie nicht einig.
       Nur bockig und –beinig.
    Dann nannten 'nen ganz ollen Kram se'n.

    Es waren zwei Teenies aus Biesen,
    die tummelten sich in den Wiesen.
       Sie tranken aus Gläsern
       und brachten mit Gräsern
    sich manchmal ganz heftig zum – Niesen.

    Ein Pfadfinderwölfling aus Blomberg
    verlief sich in Herford am Homberg.
       Da war er sehr bange
       und wartete lange,
    bis Rettung ihm nahte: "Na komm, Zwerg!"

    Es war eine Mutti aus Billerbeck,
    die packt' eines Morgens ein stiller Schreck:
       Im Bett ihres Sohnes,
       - o, dieses Patrones! -
    da fand sie doch glatt einen Pillerfleck!

    Ein Krösus von Ost-Bösingfeld,
    der hatte so wahnsinnig Geld,
       dass ihm jedes Haus gar
       kein bisschen kommod war.
    Und heute noch schläft er im Zelt.

    Ein jugendlich' Mädchen aus Brake
    probierte mit zwölf vom Tabake.
       Zwar schuf ihr der Rauch
       Vergnügen, doch auch -
    den Rest bucht man ab bei Kloake.

    Es gibt eine Deele in Brosen,
    die ist nichts für weiche Mimosen,
       serviert ungemein
       Kunst groß und mal klein
    in kleinen und größeren Dosen.

    Es war mal ein Mädchen in Bülte,
    das gern sich mit Whisky befüllte,
    und – wurd’s ihm zu warm – ,
    zuerst seinen Arm
    und dann alles andre enthüllte.

    Es war mal ein Kutscher in Cappel,
    der träumte von Pferdegetrappel,
       doch nach dem Erwachen
       war's ihm nicht nach Lachen:
    Da fand er im Bett so 'nen Appel. 

    Ein Jägergehilfe aus Dalborn
    blies herzallerliebst auf dem Waldhorn,
       doch spät in der Nacht
       hat's Ärger gemacht:
    Die Nachbarn, die packte sehr bald Zorn.

    Ein Trunkenbold lebte in Dehlentrup
    und mischte gern nachts alle Deelen up,
       wo's Bier gab und Schluck.
       Kriegt' er nicht genug,
    dann schnitt er den Wirten die Kehlen up.

    Ein lockeres Mädchen aus Detmold.
    das nachts oft alleine im Bett schmollt,
       fragt neulich beim Ländler
       'nen tanzenden Händler,
    warum nicht er ihr Amulett wollt'.

    Aus -dissens gar stattlicher Reihe,
    da fehlen mir hier nur noch dreie:
       Von Har-  über Schme-
       nach Lüer- ich seh,
    dem ich seinen Namen verzeihe.

    Zwei Jungen im lippischen Donop,
    die tanzten im Wohnzimmer Hiphop.
       Beim Tanz auf den Tischen
       tat sie's dann erwischen -
    und da war rein gar nichts mehr tiptop.

    Ein seltener Name ist Drecken
    für so einen lippischen Flecken.
    Da fragt man sich doch:
    Was gibt es da noch
    an Stöcken und anderen Stecken?

    Es mühte ein Steinmetz aus Dute
    sich lange mit einer Volute,
    doch ohne viel Grips.
    Es brach ihm der Gips
    und rieselte ihm in die Schnute.

    Zu Neujahr wollt' Peter aus Ehrentrup
    zu Fuß und besoffen nach Währentrup.
       Bei soviel Promille
       blockierte sein Wille -
    so kam er dann fälschlich nach Dörentrup.

    Ein Mädchen aus Ehrsen-Strich-Breden
    mag längst nicht mit jedem Mann reden.
       Doch passt erst die Kasse
       in Masse und Klasse,
    dann rechnet sie durchaus auf jeden.

    Ein Mädchen aus Ehrsen-Strich-Breden,
    das konnte ganz wunderbar reden.
       Von Juni bis Jänner
       bequatscht' es die Männer -
    nicht einige, sondern fast jeden.

    Ein mitleidig' Mädchen aus Elbrinxen
    verreiste mal zu den Gizeh-Sphinxen.
       Die fand es recht nackt,
       da hat es gepackt
    die Nadeln und strickte Zwei-Rechts-Linksen.

    Ein Landwirt im Lemgo-Dorf Entrup,
    geboren als Meier zu Bentrup,
       wollt' gern an den Rändern
       das Namenschild ändern:
    Jetzt nennt er sich Entrup zu Krentrup.

    Ein Bücherwurm schwärmte in Erder
    so manches Jahr heftig für Herder.
       Doch nicht immerfort;
       denn jetzt treibt er Sport:
    spielt Fußball in Bremen bei Werder.

    'Ne schwungvolle Biene aus Eschenbruch,
    die kalauerte manch einen feschen Spruch.
       Doch kam man dahinter
       im folgenden Winter:
    Die stammten aus einem Depeschen-Buch.

    Es kriegte ein Mädchen aus Extertal
    'nen Füllfederhalter von sechster Wahl.
       Gefragt, wie er sei,
       da sagte sie: "Ei,
    nicht schlecht, doch gelegentlich kleckst er mal."

    Zwei Pfarrer im Dorf Falkenhagen,
    die wollten sich gar nicht vertragen.
       So bauten zwei Häuser,
       die beiden Duckmäuser,
    und das liegt uns jetzt noch im Magen.

    Ein pfiffiges Kerlchen aus Fissenknick
    beherrscht souverän den gewissen Trick,
       mit Tauen und Winden
       viel Eindruck zu schinden,
    man nennt ihn auch gern "ein gerissen' Strick".

    Die schönste Mamsell aus Glashütte,
    das war so 'ne ganz süße lütte,
       der freitags die Knaben
       gern zugeschaut haben –
    sie saß dann im Hof in der Bütte.

    Es wollte einTrottel aus Gehren
    die Eisenbahnlinie queren.
    Trotz Rotlicht und Schranke
    kam ihm der Gedanke,
    sich gegen den Zug schon zu wehren.

    Es nannte ein Imker aus Glimke
    sein Töchterchen stolz Tiene-Imke.
       Doch als man die Tiene
       verhöhnte als „Biene“,
    da fand er das überaus schlimmke.

    Die Schlauen in Grastrup-Strich-Hölsen,
    die essen gern Erbsen mit Hülsen,
       wobei sie sehr froh sind,
       wenn diese nicht roh sind,
    die klappern sonst so in den Hälsen.

    Ein sparsames Mädchen aus Greste
    trifft stilsicher immer das beste;
       denn was man in Bechterdissen
       und Barntrup so weggeschmissen,
    verwertet sie clever als Reste.

    Es trank eine Dame aus Hakedahl
    in Japan entsetzlich viel Sake mal.
       Mit steigendem Pegel
       strich sie dann die Segel
    und lallte zuletzt nur noch "Llakelal".

    Die Harzberger haben's im Blut
    und finden's in Ohrsen nicht gut,
       was Ohrsen nicht juckt;
       denn "Harzberg verruckt"
    in Ohrsen stets denken man tut.

    Die lippischen Orte auf -hausen,
    die bringen durch Vielzahl zum Grausen
       mit Wadden- und Papen-,
       auch Sabben- und Baven- ...
    Drum lass‘ ich den Rest jetzt auch sausen.

    Die Leute im Dorf Hedderhagen,
    die wollten mal jemanden fragen,
       woher wohl ihr Nam'
       vom Ursprung her kam,
    doch der wollt' es ihnen nicht sagen. 

    Ein Knabe gehörte in Heesten
    wohl nicht zu den Schönsten und Beesten.
       Sein Auftritt im Freien
       war fast nur zum Schreien
    und führte sofort zu Proteesten.

    'Nem Flusscapitano aus Heidelbeck,
    dem fuhr mal in England die Fähre weg.
       Er macht' sich nichts draus
       und spuckte nur aus:
    "No matter, ihr Leute, I treidel back".

    Ein Nonsense-Gedichtler aus Heiden,
    der konnte sich oft nicht entscheiden.
       Er schrieb immerzu
       den Climerihew –
    und mocht' ihn dann selber nicht leiden.

    Ein Pärchen aus Heiligenkirchen
    trank munter drauflos viele Bierchen.
       Erst fühlt' es sich toll,
       dann sternhagelvoll
    und fand auch nicht mehr sein Quartierchen.

    In Helpup da sorgte ein Bio-Spruch
    im Unterricht deutlich für Missgeruch:
       Es ging um die kurten
       und Mindergeburten -
    das nannte doch glatt einer Pillenbruch!

    'Ne Vatertagstruppe aus Herrentrup,
    die machte so richtig mal einen drup.
       Der Heimweg war zahmer
       und wesentlich lahmer:
    Da wartete nämlich der Frauen Trupp.

    Ein Bankmensch im lieblichen Hiddesen,
    der sagte zu Heinrich P. Schridde sen.:
       "Kulanz? Keine Spur!
       Kredit gibt es nur,
    wenn Se och solvent un liquidde sen!"

    Ein Quacksalber lebte in Hillentrup,
    im Volksmund bekannt als der Pillen-Jupp,
       ein fleißiger Minner
       und göttlicher Spinner:
    Der fiel immer durch seine Grillen up.

    Es war ein Hornist einst in Horn,
    dem klaute ein Hornochs das Horn.
       Als wieder er's fand,
       schlug er mit der Hand
    dem Hornochs vor Zorn eins aufs Horn.

    Ein Bauchladenkrämer aus Hörste,
    der glaubt' eines Tages, er börste
       vom Essen im Schloss,
       woselbst er genoss
    als Gast viele förstliche Wörste.

    Ein Landjunker traf mal in Hörstmar
    beim Metzger den lippischen Först gar.
       Der wollte nicht zahlen,
       der Junker tat prahlen:
    "Ich zahle sogar meine Wörst bar!"

    Bei Feierlichkeiten in Humfeld,
    da achtet man sehr auf die Umwelt.
       So lässt man's nicht durch,
       wenn irgendein Schlurch
    beim Schlangesteh‘n sich einfach dumm stellt.

    Ein seltsames Mädchen aus Hummersen,
    bekannt als beträchtliches Dummersen,
    war ganz ohne Frage
       ein Star auf der Waage -
    als reichlich gewichtiges Brummersen.

    Ein nordischer Gast namens Glistrup
    der schwankte im Vollrausch durch Istrup,
       und rief man ihm zu:
       "Benimm dich doch, du!",
    dann lallte er nur: "P-p-piss drup!"

    Beim Festball in Jerxen-Strich-Orbke
    kriegt' Fritzchen aus Bonn manchen Korbke.
       "Warum?" wollt' er wissen,
       ein Girl grinst' gerissen:
    "So ist das nun mal hier im Dorpke."

    Es war mal ein Kerl aus Junghärtchen,
    der zwirbelte gerne sein Bärtchen
       und Klärchen, dem Mädchen,
       die Härchen zu Fädchen
    und grub dazu in ihrem Gärtchen.

    Der Karnevalsclub Kachtenhausen
    ließ alle Kostüme entlausen.
       Nach der Prozedur
       war'n's Lumpen gar nur.
    Da ließ man die Trachten glatt sausen.

    Ein Landwirt im Westen von Kalletal,
    dem hätten die Leute gern alle mal
       die Kühe und Zossen
       in Stücke geschossen -
    die fraßen beim Grasen ganz Talle kahl.

    Es wollt‘ eine Oma aus Kamerun
    die Sparstrümpfe in ihre Kammer tun,
       doch taten die zwischen
       den Tischen entwischen,
    und riesig ist folglich ihr Jammer nun. 

    Ein Lipper aus Kempenfeldrom,
    der fand eines Tags ein Kondom,
       und viele Semester
       fragt' ihn seine Schwester:
    Wann machste denn endlich Diplom?"

    Ein Musiker aus Kleinenmarpe
    beherrscht virtuos seine Harpe.
       Jetzt ist er ein Star,
       und eines ist klar:
    sein Umzug ins Dorf Großenmarpe.

    Es war mal ein Mädchen aus Klüt
    in inniger Liebe erglüht
       zum Hindernisreiter
       Karl-Heinz – und was weiter?
    Jetzt führen die zwei ein Gestüt.

    Ein widriger Knauser aus Kohlstädt,
    der kriegte niemals seinen Kohl fett.
       "Er hat nie gedungen",
       behaupten die Jungen,
    doch sagte er stets, dass er's wohl hätt'.

    Ich sah eines Tages in Köterberg
    'nen winzigen wolligen Köterzwerg.
       Der hatte am Köpfchen
       ein niedliches Zöpfchen
    und außerdem hinter dem Pöter Werg.

    Ein Opa aus Krentruperhagen,
    der hatte zu Haus nichts zu sagen.
    So traute er sich
    gar unter dem Strich,
    nicht mal nach der Uhrzeit zu fragen.

    Ein Mastgänsezüchter aus Kükenbruch
    bemerkte gar seltsamen Stallgeruch.
       Die Eier war'n Matsch,
       und das ist kein Quatsch:
    Der Fachausdruck dafür ist Kükenbruch.

    Es hatte ein Schneider in Kusenbaum
    den seltsamen und sehr abstrusen Traum,
    man redete offen
    von neuesten Stoffen:
    „Und denken Sie mal – diese flusen kaum!“

    Es trank eine Lady in Lage
    zum Frühstück schon gern "Lüttje Lage".
       Erst war sie 'ne Plage,
       doch dann ohne Frage
    auch dazu nicht mehr in der Lage.

    Ein Rüpel aus Langenholzhausen
    tat mitternachts immer noch brausen.
       Proteste und Prügel
       verpassten ihm Zügel.
    Da ließ er das Nachtbrausen sausen. 

    In Laßbruch würd' niemand es wagen,
    versehentlich Loßbruch zu sagen;
       denn bei laß oder loß
       ist der Unterschied groß
    und beinahe nicht zu ertragen.

    Ein Sachse verliebte in Leese
    ich schwer in die schöne Therese.
       Die lachte ihn aus
       und warf ihn hinaus.
    Do wor ihr där Saggse sär beese.

    Es haben in Leistrup-Strich-Meiersfeld
    heut' leider nur einige Meiers Geld,
       so dass dieser Ort
       zwar nicht etwa fort,
    doch vollständig an diese Meiers fällt.

    Ein Knabe aß einmal in Lemgo
    Die Gurken in riesigem Tempo.
       Zur Strafe dafür
       war "zu" eine Tür.
    Vor der stand er zappelnd mit Klemm-Po.

    Ein Mädchen aus Leopoldshöhe
    stand blanko in windiger Böe
       und hielt in den Wind
       die Kleider geschwind
    und schämte sich - wegen der Flöhe.

    Ein Männlein aus Leopoldstal,
    seit frühester Jugend schon kahl,
       das pflegte mit Schwämmen
       die Glatze zu kämmen -
    und das jeden Tag zwanzigmal.

    Ein Klugscheißer streute in Lieme
    die Nachricht für Nachbarn - intime -,
       er sei Philosoph,
       doch war er zu doof:
    Er hatte nicht mal 'ne Maxime.

    Ein Jäger im Dorf Lipperreihe,
    der schoss in Bad Meinberg Geweihe.
       Die nannt' er Trophagen,
       doch wer will schon sagen,
    er hätt' se nicht all' auf der Reihe!

    Ein ältlicher Bauer aus Lockhausen
    macht nächstes Jahr Urlaub in Brokhausen.
       Das Geld ist erspart,
       und nur vor der Fahrt
    da hat er gewaltiges Rocksausen.  

    Es war mal ein Tierarzt in Lothe,
    dem stand auch das Wort zu Gebote.
       Doch einmal im Leben
       ging’s mächtig daneben.
    Er sagte: "Gnä' Frau, küss die Pfote."

    Ein dämlicher Trottel aus Lügde,[‘lyxde]
    der glaubte die tollsten Gerüchte.
       So dachte er bloß:
       "Was klein ist, wird groß"
    und hielt drum auch Früchtchen für Früchte.

    Es war mal ein Turner in Mackenbruch,
    der litt unter schrecklichem Mundgeruch.
       Drum gurgelt' beim Springen
       er und an den Ringen
    und stürzte. Jetzt hat er 'nen Nackenbruch.

    Ein Fußballverrückter aus Malmershaupt
    in Bielefeld stets auf der Alm verstaubt.
    Da ist allerwegen
    auf Stühlen und Stegen
    den Zuschauern Priemen und Qualm erlaubt.

    Die Matorfer schätzen sich froh
    und glücklicher als in Heßloh,
       und sei es in Niewald
       im Winter auch nie kalt,
    sie hätten den schönsten Ort - jo!

    Ein Sänger, gebürtig aus Meierberg,
    der jobbte recht häufig im Bayerwerk
       anstatt mehr zu singen.
       Das konnt' nicht gelingen,
    und jetzt ist er nur noch ein Leierzwerg.

    Ein niedlicher Junge aus Mosebeck
    geriet an die üble Frau Loosespeck.
       Es war schon ein Graus;
       denn sie nahm ihn aus.
    Am End‘ war sogar seine Hose weg.

    Ein Mädchen aus Mossenberg-Wöhren
    spazierte zu weit in die Föhren,
       und nichts war in Butter,
       da sagt' ihm die Mutter:
    "Da haste's, du wollt'st ja nicht hören!"

    So manch' liebe Leute aus Müssen,
    die halten rein gar nichts vom Küssen.
       Das ist kein Betrug,
       doch auch nicht sehr klug
    und führt oft zu ganz falschen Schlüssen.

    Ein Jüngling im lippischen Nalhof
    traf einst eine Jungfrau beim Saalschwof.
       Dann wollt' sie die Ehe,
       doch er sagte: "Wehe!
    Du glaubst wohl, ich wäre total doof!"

    Ein vorwitz'ges Kerlchen aus Niese
    versuchte es jüngst mit 'ner Prise.
    Die konnte sein Magen
       nun gar nicht vertragen,
    und "Klopapier" hieß die Devise.

    Besoffen in Oberschönhagen,
    wollt' Franz sich mit Gehen nicht plagen.
       Er legt' sich und rollte
       dahin, wo er wollte:
    Hinunter nach Niederschönhagen.

    Ein Seemann aus Oesterholz-Haustenbeck
    erhob sich am Strand einmal aus dem Dreck.
       Ein heimischer Bauer
       gab ihm 'nen Verhauer
    und schimpfte: "Wenn du nochmal klaust den Speck!"

    Ein Tennis-Crack aus Oettern-Bremke
    war Fernsehgast bei Robert Lembke.
       Als der "Welches Schwein?"
       ihn fragte, da mein-
    te er ganz klar: „Nur das Grand Slam-ke!"

    Ein -oldendorf kommt nie allein -
    so muss das in Lippe wohl sein.
       Es hängen die beiden
       an Horn- und an Heiden- :
    Das spart mir 'nen Limerick ein.

    Ein Hase im Dorf Osterhagen,
    der wollte's im Sommer mal wagen,
       doch vor einer Pinte
       erwischt' ihn 'ne Flinte.
    Jetzt liegt er in irgend'nem Magen.

    Das Dorf Pivitsheide zu finden,
    beschert keinen Schrecken gelinden.
       Man nähert sich ihm
      frivol und intim
    von links [V.L. = Vogtei Lage] her und manchmal von hinden [V.H. = Vogtei Horn].

    Ein Englisch-Prof. hier aus Reelkirchen
    den lauste ein seltsames Tierchen.
       Er sagte, dass Reel
       ins Englische fiel,
    und ähnlich sei's auch mit dem beer-chen.

    Ein Teenagermädchen aus Retzen
    tat gern seine Lippen benetzen,
       und war es mal blau,
       dann bettelt' es flau:
    "Ich bi-bitte euch: nicht pe-petzen!"

    Ein Petri(Strich)Jünger aus Rischenau,
    der rangelte mit einer Fische-Frau.
       Die fand es nicht schön
      und fast schon obszön,
    dass er ihr die Fische vom Tische klau'.

    Ein späteres Mädchen aus Rott
    ist prüde und ziemlich bigott.
       Stets hört man sie lästern,
       doch nicht erst seit gestern
    versinkt sie in Hohn nur und Spott.

    Ein Nonsense-Poet aus Salzuffeln
    mag dort an Kultur nicht mal schnuffeln.
       Da fühlt er sich nämlich
       besch...eiden und dämlich -
    umgeben von Stieseln und Muffeln.

    Ein komischer Kauz dort in Schieder,
    der räkelte gern seine Glieder
       und trug dann - o Wunder! -
       nebst anderem Plunder
    am liebsten ein farbiges Mieder.

    Ein eifriger Schüler aus Schlangen
    wollt' Schlangen in Afrika fangen.
       Er passte nicht auf,
      und kurze Zeit drauf
    verschlangen die Schlangen den Rangen.

    Ein Grufti-Girl aus Schönemark,
    das fand es echt ätzend und stark,
       wie unheimlich leicht
       Gesichtshaut erbleicht
    mit reichlich verwendetem Quark.

    Es war mal ein Herr aus Schönhagen,
    dem wollte es nirgends behagen.
       Er zog über Wiembeck
       und Selbeck nach Wahmbeck.
    Jetzt liegt er begraben in Hagen. 

    Ein Geizkragen lebte in Schötmar.
    Vom Kaffee trank er auch den Prött gar,
       bis er mit dem Darm
       ganz widerlich arm
    dran und dann der Leute Gespött war.

    Ein kluger Erfinder aus Schuckenbaum
    ist steinreich geworden mit Muckenschaum.
       Er starb und gestand,
       das Zeug sei nur Tand;
    "denn Bienen und Mucken, die jucken kaum."

    Ein Reisender kam mal von Schwalenberg
    ganz nahe bei Wien auf den Kahlenberg.
       Doch auf seine Glatze
       schnitt man manche Fratze
    und nannte ihn nur einen kahlen Zwerg.

    Es zahlt‘ ein Besucher aus Selbeck
    im Ausland mit einem Hotelscheck.
       Der war nicht gedeckt,
       und er ging direkt
    mit seinem Gepäck auch recht schnell weg.

    Es züchtete Peter aus Selsen
    in Norwegen Klippfisch aus Welsen,
    doch ohne viel Übung
    erfuhr das nur Trübung
    und warf ihn von Klippen und Felsen.

    Beim Limerick über den Sepp
    ergibt sich ein Handy(Strich)Cap:
       dort wohnen bis heute
       recht freundliche Leute –
    da sagt man doch nicht etwa Depp!

    Wenn‘s wintert im Dorf Siebenhöfen,
    was meint ihr, wohin die dann löfen,
       die Mädchen und Knaben,
       die Eisbeine haben?
    Natürlich nach Haus an die Öfen!

    Ein Neu-Germanist aus Silixen
    traf Schriftstellerin Tania Blixen,
       erkannte sie nicht
       und hielt ihr Gesicht
    für eines der zahlreichen Nixen.

    Ein dösiges Mädchen aus Sommersell,
    beschäftigt im Haushalt als Kaltmamsell
       beim Fürsten zur Lippe,
       rief einmal: "Ich kippe,
    o Durchlaucht! So komm er schnell!"

    Es war mal ein Jüngling in Sonneborn,
    der hatte 'ne ziemliche Tonne vorn.
               Gefragt nach der Her-
     kunft sagte dann er:
    "Die hab ich vom Essen un vonne Korn."

    Es schwankte ein Mädchen in Spille
    nach Haus vom Besuch der Destille.
    Der kurvige Gang
    war dreimal so lang –
    kein Wunder bei soviel Promille!

    Ein sparsames Mädchen aus Spork
    macht' Ferien einst in New York.
       Das fand sie sehr teuer
       und gar nicht geheuer.
    Drum aß sie statt "pork" auch nur Kork.

    'Ne ältliche Jungfer aus Stemmen
    verwechselte Trinken mit Schwemmen.
       Zwei Bier pro Minute
       verputzte die Gute
    und war dann auch nicht mehr zu hemmen.

    Es macht‘ sich ein Bursche aus Strang
    vor „Lippischen Schützen“ nicht bang‘.
    Die schluckte er munter
    und glucksend hinunter
    und torkelte heim mit Gesang.

    Es trieb mal ein Bauer in Stühe
    zur Weide die Herde der Kühe.
    Die liefen grad „aus“,
    und er lief o Graus,
    geraden Wegs durch diese Brühe.

    Es wollte ein Model aus Sundern
    als Hintern ‘nen wesentlich rundern,
       doch konnte sie nur
       nach speckreicher Kur
    sich übers Ergebnis sehr wundern.

    Ein trunkenes Mädchen aus Sylbach
    fiel bleiern in Großmutters Tüll-Fach.
       Der Rausch war wohl schwer;
       denn lang' hinterher
    da wurde sie erst auf dem Müll wach.

    Es glaubte ein Router aus Talle,
    dass manch‘ eine Jungfrau schon falle,
    wenn er ihr ganz schnell
    per HTML ... –
    der  hatte sie wohl nicht mehr alle!

    Es liebte ein Macho aus Tipp
    Erotik als Video-Clip,
    doch machte er lieber
    in hitzigem Fieber
    des öftern nach Bangkok ’nen Trip.

    Es tötete einmal in Trift
    ein Kerl seinen Nachbarn mit Gift
       und schaffte die Leiche
       fort aus dem Bereiche
    und ab in den Keller – per Lift.

    Es klopfte ein Gastwirt aus Uekenpohl
    im Bratrohr ganz sorgsam die Kueken hohl.
       Der Sinn der Verwandlung
      war keine Misshandlung,
    weil besser dann – sagt‘ er – sie bueken wohl.

    Der Fußballer Schröder aus Varenholz,
    der rühmt sich nicht nur für den klaren Bolz.
    Er weiß auch, in Talle,
    da wissen sie alle:
    Ich bin auch mit pechschwarzen Haaren stolz.

    Ein Wanderer wollt' von Voßheide
    zu Fuß an die schöne Ameide.
       Beim Umweg in Siekholz
       verlor er sein Herz stolz.
    Jetzt wohnen in Maßbruchweg beide.

    Aus Vahrenholz und aus Veldrom,
    da pilgerten welche nach Rom,
       verloren die Schuhe
       in Winsen(Strich)Luhe
    und fluchten ganz laut: "Düvelskrom!"

    Vor Jahren im lippischen Waterloo,
    warn nicht nur die Köter und Kater froh,
    weil Blücher den Korsen
    nach Brüssel ließ morsen –
    das wollten wohl seine Berater so.

    Ein sinnliches Mädchen aus Wehren
    verging fast vor heißem Begehren
       und tat drum an Knaben
       des öftern sich laben,
    und nicht nur mit Küsschen in Ehren.

    Es fraß sich ein Trampel aus Wellentrup
    in Köln mal randvoll mit der "Ääzezupp".
       Das konnte sein Magen
       nur schwerlich vertragen,
    und der reagierte mit Ausbruch drup.

    Ein Wild‘rer im Dorf Wendlinghausen,
    der tat sich vor Kälte nicht grausen.
       Er suchte eiskalt
       im Lippischen Wald
    dem Förster die Katze zu mausen.

    Ein Dorftrottelmensch hier aus Werl,
    das war ein geschwätziger Kerl:
       Er nannte es mächtig
       verdammt und verdächtig,
    dass Schampus im Glase ihm perl‘.

    Es war eine Frau in Werl-Aspe
    mit Namen -hört,hört!- Ariaspe,
       der nicht zu ihr passte,
       und weil sie ihn hasste,
    erhängte sie sich dann in Maspe.

    Ein Rheinländer spielte in Wiembeck
    zu Karneval ganz legitim jeck
       mit Saufen und Schunkeln
       von Früh bis zum Dunkeln
    und außerdem manch‘ einem Priemfleck.

    Es war mal ein Dummbatz in Wissentrup,
    der warf auf sein Feuer ein Kissen drup.
       Da brannte sein Haus
       bis zum Dachstuhl ihm aus.
    Den schwelenden Rest nennt man Schwelentrup.

    Ein Fremder kam einmal nach Wöbbel
    und sagte: "Ich hier kaufen Möbbel".
       Als Skinheads sich spreizten
       und Leute aufheizten,
    da floh er dann doch vor dem Pöbbel.

    Zwei niedliche Mädchen aus Wöhren,
    die knabberten ständig an Möhren
       und sagten den Leuten,
       das hätt‘ zu bedeuten,
    dass sonst sie die Zähne verlören.

    Ein Sticker vom Dorf Wörderfeld,
    der grüßte den Rest von der Welt.
       Doch weiß man noch nicht,
       ob was er verspricht,
    in Wahrheit tatsächlich auch hält.

    Zwei Buben aus Wülfer-Strich-Bexten,
    die waren beim Quasseln die kecksten.
       Der eine zog munter
       das Beinkleid herunter
    und dreht' sich und sagte: "Jetzt leckste'n!"

    Ein kölnisches Girl rief in Wüsten,
    geplagt von ganz wilden Gelüsten:
       "Ä, Pitter, wann küste?"
       Da kam er und küsste
    die Spitzen an all' ihren Fingern.




     


    Leute von gestern

    Es liebte Herr Richard Andree
    im Atlas am meisten die See.
    Da konnte er tauchen,
    auch ohne Verstauchen –
    ganz anders auf Bergen im Schnee.

    Es stemmt‘ König August der Starke
    mit einer Hand einmal ’ne Barke
    und warf sie als Gruß
    dem Feind auf den Fuß:
    „Dir zeig‘ ich’s, das ist eine Harke!“

    Es schrieb mal Herr Issaak E. Babel
    aus Spaß mit ’ner silbernen Gabel.
    Doch hielt die nicht stand
    dem Druck seiner Hand
    und war drum bald irreparabel.

    Es lag mal Herr Johann S. Bach
    recht wütend des nachts lange wach.
    Der Grund: Seine Kinder
    versuchten geschwinder
    zu orgeln und machten nur Krach.

    Der Tierkenner Karl Ernst von Baer
    verbreitete gerne die Mär,
    „Geschichte der Tiere“
    sei nichts als Geschmiere,
    doch gibt’s dafür keine Gewähr.

    Der Mathe-Crack Johann J. Balmer
    galt lange als heftiger Qualmer.
    Dann rechnet‘ er aus:
    „Da wird doch nichts draus“
    und wurde des Lasters Zermalmer.

    Es war wohl Enrico Barone,
    was Wirtschaft betrifft, ‘ne Kanone.
    Er rechnete weise
    die Werte und Preise,
    doch selbst war geldlich meist „ohne“.

    Der Afrikaforscher H. Barth
    ging gerne und häufig auf Fahrt
    im Auftrag von Andern.
    Da konnte er wandern
    und hat noch die Kosten gespart.

    Es war wohl Herr Johann B. Basedow
    im Garten ganz selten im Grase froh.
    Dort konnt‘ er nicht tollen
    von wegen der Pollen:
    „Das geht nicht! Dann kitzelt die Nase so!“

    Es war zwar der Mime A. Bassermann
    vom Sternzeichen Jungfrau, nicht Wassermann,
    doch als er mal fiel
    vom Rand in den Nil,
    da war er ganz sicher ein nasser Mann.

    Es stocherte einmal A. Bebel
    bei Nacht mit der Stange im Nebel.
    Er stocherte sehr
    und kam damit quer
    im Feld einem wütenden –webel.

    Es war Alexander G. Bell
    der Telefonton viel zu grell.
    Er stellte sich vor,
    es platze sein Ohr,
    und legte drum auf ziemlich schnell.

    Es schaffte Herr Carl Friedrich Benz
    sein Auto zwar nicht mehr im Lenz,
    doch als er’s dann hatte
    zu Haus „auf der Matte“,
    da gönnte er sich einen Brenz.

    Der Völkerrechts-Prof. Friedrich Berber,
    der jobbt‘ auf der Uni als Werber
    für trockenen Wein.
    Erfolg: leider nein –
    das Zeug war noch wesentlich herber.

    Es schätzte Herr Vitus J. Bering
    von Fischen vor allem den Hering.
    Doch sonderbar war
    (und vielen nicht klar):
    Von diesen nur solche, die e r  fing.

    Der Sterngucker Friedrich W. Bessel
    saß ursprünglich ruhig im Sessel.
    Dann ging er auf Achse
    mit Stern-Parallaxe,
    und die stach die Fachwelt wie Nessel.

    Es lag mal vor Jahren H. Bessemer
    ganz bös mit der kölnischen Presse quer:
    Er hatte im Hirne
    die Bessemer-Birne.
    Dann stand in der Zeitung „Die esse mer.“

    Es hoffte recht lange Ernst Bloch
    aufs Ende von Ärger und Joch.
    Das Hoffnungsprinzip
    war wert ihm und lieb.
    Man sagt, er erreichte es noch.

    Der Sprachwissenschaftler Franz Bopp
    beurteilte Sprachen salopp.
    Er nannte den Schritt
    von Deutsch bis Sanskrit
    dann indogermanisch und grob.

    Es zeigte Donato Bramante
    den Petersdom mal seiner Tante.
    Dort zeigt‘ er ihr das
    und dies mit viel Spaß,
    weil sie Renaissance noch nicht kannte.

    Es hörte mal Wernher von Braun,
    der Mann dort im Mond sei ein Clown.
    Da hat er gebeten
    um ein, zwei Raketen,
    um selbst nach der Sache zu schau’n.

    In Wirklichkeit war Alfred Brehm
    zum Schreiben von Text zu bequem.
    Da schrieb er um vier eben
    den Anfang vom „Tierleben“
    und knetete Tiere aus Lehm.

    Es fürchtete Arnold von Bruck
    beim Tonsetzen äußeren Druck,
    und weil er es hasste,
    wenn „auf“ man so passte,
    gab manchmal er selbst sich ’nen Ruck.

    They say that one President Carter
    would like to be Knight of the Garter,
    but royal refusal
    came after perusal
    of ledgers of peanuts and barter.

    Es stärkte Herr Pablo Casals
    ganz gern für den Fall eines Falls
    mit Gaze und Resten
    von seidenen Westen
    dem Violoncello den Hals.

    Privat hatte Cassiodor
    Herrn Kaiser Theoderichs Ohr.
    Dem schrieb er Geschichten
    von Weltenberichten
    und kam sich werweißwietoll vor.

    Henri Alexandre de Catt
    hatt’s Vorlesen manchesmal satt
    bei Friedrich dem Großen,
    weil der oft ’nen bloßen
    Versprecher ihm angemahnt hat.

    Es nutzte Camillo Cavour
    den Krimkrieg mit reichlich Bravour.
    Napoleons Stütze
    war einiges nütze
    bei seiner Vereinigungs-Tour.

    They say that the poet Geoff Chaucer,
    quite angry, got hoarser and hoarser,
    ’cause some of his „Tales“
    from England and Wales
    were burned just to fuel his saucer.

    Es liebte der Schreiber S. Dach
    das Leben recht prall und nicht flach:
    „Voll Kaffee ein Kännchen,
    aus Tharau das Ännchen –
    da werd‘ ich doch gerne mal schwach.“

    Es war wohl Herr René Descartes
    ins Denken unsterblich vernarrt.
    So sagte er sinnich:
    „Ich denke, drum bin ich
    und spiel‘ in der Welt meinen Part.“

    Es lebte der Philosoph Deussen
    recht lange im Freistaate Preußen.
    Das Denken der Inder
    (und nicht ihrer Kinder)
    erklärte von dort er den Reußen.

    Es hatten dem Diokletian
    die Christen nichts Böses getan,
    doch ließ er sie jagen,
    verhaften, erschlagen
    verblendet in grässlichem Wahn.

    Es tüftelte Johann von Dreyse
    zu Hause und selbst auf der Reise
    um Zündnadelwaffen
    zur Jagd sich zu schaffen –
    und das alles andre als leise.

    Es setzte José N. Duarte
    ganz klar auf die falscheste Karte.
    Die brachte kein Glück,
    da trat er zurück
    weil sonst wohl der Tod seiner harrte.

    Erst sah sich Herr Edwin E. Dwinger
    als Weltkriegsereignisbesinger.
    Dann schrieb er in Frechen
    von Dämmen, die brechen,
    so ostpreußisch-Komische Dinger.

    Als Knabe verschrieb man Bob Dylan
    mal stimmbruchverzögernde Pillen.
    Die schlugen nicht an,
    er wurde zum Mann
    und ließ nicht wie Lennon sich killen.

    Frau Ana Mendoza von Eboli
    sah zeitlebens sicher den Ebro nie.
    Doch galt sie als doof
    am spanischen Hof
    und wurde verbannt – auf den Stromboli.

    Es scherte Johannes [aus] Eck
    der Standpunkt von Luther ’nen Dreck.
    Er drohte ihm an
    den päpstlichen Bann –
    da hob sich der Luther hinweg.

    Erst schrieb für den Meister Herr Eckermann,
    doch zeigt‘ er sich wesentlich kecker dann,
    und lebte er heute,
    dann sähen die Leute:
    „Da schleppt er den Goethe im Trecker an!“

    Es sucht‘ König Ed der Bekenner
    nach einem gemeinsamen Nenner,
    den Thron zu vererben
    und doch nicht zu sterben –
    doch war das am Ende kein Renner.

    Es war König Edward der Erste
    von allen bei weitem der schwerste.
    Er schlug die Barone,
    doch galt auf dem Throne
    er sicher auch als der verquerste.

    Es ging König Edward der Zweite
    in Bannockburn unter und pleite.
    Das sah seine Frau
    in London genau
    und schaffte ihn bald an die Seite.

    Es saß König Edward der Dritte
    in Frankreich schon fast in der Mitte.
    Doch hundert Jahr‘ Krieg
    und dennoch kein Sieg –
    da kriegte er halt keine Schnitte.

    Es war König Edward der Vierte,
    den’s geil nach dem Thronbesitz gierte.
    Da hat’s Parlament
    noch selig gepennt,
    als er es dann ausmanövrierte.

    Es ließ König Edward der Fünfte
    im Reiche die uralten Zünfte
    gewaltsam verbieten
    als nutzlose Nieten
    und nahm deren Ein- (und so) –künfte.

    Es war König Edward der Sechste
    als „boy king“ nach Heinrich der nächste.
    Der machte dann schon
    die Reformation,
    weil stets er bei Tische noch kleckste.

    Es war König Edward der Siebte,
    der auch fremde Frauen gern liebte,
    zum Beispiel E. Terry:
    da blieb’s nicht beim Sherry,
    womit seinen Ruf er versiebte.

    Es war König Edward der Achte,
    der sich aus Frau Wallis was machte
    und nicht aus demThron
    und höfischen Ton.
    Drum schob man ihn ab nicht ganz sachte.

    Es stellte der Zeichner Jean Effel
    sein Licht unter manch‘ einen Scheffel.
    Dann holte er‘s bieder
    gelegentlich wieder
    und tat es in Wien auf den „Steffel.“

    Es hielt einst der Doktor Paul Ehrlich
    die Syphilis wohl für entbehrlich
    und rührte drum an
    das Zeug „Salvarsan“ –
    das machte dann manchen begehrlich.

    Es rächte sich einmal F. Engels
    inmitten ‘nes großen Gedrängels,
    das einige Knaben
    veranstaltet haben,
    mit Kopfnüssen für diese Bengels.

    Die Adligen derer von Este
    war’n lange Italiens Beste.
    Dann kam’s, wie es muss,
    und damit war Schluss
    heut‘ kennt man nicht mal ihre Reste.

    Es machte der alte Euklid,
    so sagt es ein uraltes Lied,
    auf Hochwildjagdhatz
    ’nen riesigen Satz,
    an dessen Sequenz er verschied.

    Der Mathe-Prof. Leonhard Euler
    erlegte am Strand einen Heuler.
    Das brachte ihm leider
    recht zahlreiche Neider,
    die dort sich zerrissen die Mäuler.

    Der Kabarettist Werner Finck
    war schließlich den Nazis zu linck:
    Sein Haus „Katakombe“
    erwies sich als Bombe –
    trotz oftmals verschleiertem Winck.

    Der Medikus Niels Ryberg Finsen
    konnt‘ über die Dunkelheit grinsen:
    Er wandelte die
    zur Lichttherapie
    zu Hause und auch in Marl-Sinsen.

    Die Fischers sind bald schon Legion,
    und das in verschiedenem Ton:
    Ob Joschka, der Läufer,
    und Johann, der Käufer
    wer kennt die denn morgen noch schon!

    Der Staatsrechtsexperte Fritz Fleiner
    war sicher kein Freund von R. Steiner.
    Doch dass in der Schweiz
    noch heute sein Reiz
    was gilt, weiß bei uns doch fast keiner.

    Es spielte Herr Friedrich von Flotow
    anstelle von Fußball nicht Toto.
    Doch schrieb er die „Martha“
    (so sagt’s die Encarta)
    und stellte sich kaum einem Foto.

    Es hasste Herr Ferdinand Foch
    von Anfang deutlich den „Boche“.
    Dann schrieb er nach Jahren
    noch „Die Memoiren“
    und zeigte sich damit als Frosch.

    J. Kinau, bekannt als Gorch Fock,
    ging öfters im Leben am Stock.
    Er schrieb er sich fast tot
    an „Seefahrt ist not!“
    und hatte auch sonst keinen Bock.

    Es orientierte H. Focke
    beim Flug sich am „Lied von der Glocke“.
    Doch flitzten die Dinger
    wie’n Köter im Zwinger,
    dann ging er ganz schnell in die Hocke.

    Es knöpfte Herr Carl Philipp Fohr
    in Rom deutsche Maler sich vor.
    Dort ist er ertrunken.
    Das hat ihm gestunken –
    trotz zahlreicher Engelein Chor.

    Herr Anthony Herman G. Fokker
    sah Flugzeugbau wohl ziemlich lokker.
    So zog es ihn hin
    ins deutsche Berlin –
    dann fiel in New York er vom Hokker.

    Es galt Herr Karl Theodor Follen
    studentisch als einer der Tollen.
    Er floh nach Amerika
    mit Schwesterchen Erika
    und ging dort in Yale in die Vollen.

    Es war „der Barbierer“ Hans Folz
    geplatzt fast vor heimlichem Stolz:
    Es war doch sein Meistersang
    beileibe kein Kleistergang
    und nichts für die Köpfe aus Holz.

    They say that the actor H. Fonda
    once filmed in the valley of Rhondda
    the actions of fear,
    some there and one here,
    and all the rest later out yonda.

    Es baute Herr Pierre F. Fontaine
    Napoleons Kram an der Seine.
    Den nannte der „Sire“
    bombastisch „Empire“
    und hielt ihn für riesig mondän.

    Im Grunde begriff Henry Ford
    das Fahren von Autos als Mord.
    Drum hatte er frech
    von Lizzies aus Blech
    gleich fünfzehn Millionen an Bord.

    Es scherte den Prof. Sigmund Freud
    Zigarrenrauch nicht einen Deut.
    Er konnte verharren
    im Qualm von Zigarren
    und hat das (zu spät) dann bereut.

    Es sang wohl Herr Alfred H. Fried
    dem Frieden recht deutlich ein Lied.
    Drum wurde der Sänger
    Nobelpreisempfänger,
    und zwar auf des Friedens Gebiet.

    Herr Friedrich, genannt Barbarossa,
    war einmal zu Gast in Canossa,
    doch schmeckten bei Tische
    ihm dort nicht die Fische.
    Drum warf er sie raus in die Fossa.

    Es hielt dieser Friedrich der Große
    die Hände nicht träge im Schoße.
    So spielte er Flöte
    viel früher als Goethe
    und schubste Voltaire in die Soße.

    Man bat mal Herrn Caspar D. Friedrich
    zur Kirche im rheinischen Kiedrich.
    Dort sollte ei malen
    ein Bild der Fialen,
    doch fand er das einfach zu wiedrich.

    Den Philosophie-Prof. J. Fries
    beschäftigte das und auch dies.
    Dann irrte er schändlich
    mit „ewig“ und „endlich“,
    womit er auf Ablehnung stieß.

    Den Tierkenner Karlchen von Frisch
    beschäftigte vielfach der Fisch
    mit Tönen und Farben
    und krankhaften Narben
    und außerdem auch noch bei Tisch.

    Beim Drucken bestand Johann Froben
    penibel auf „unten“ und „oben“.
    Doch wenn’s ihn mal juckte
    und eh keiner guckte,
    hat gern er den Stehsatz veschoben.

    Es forschte Herr Richard B. Fuller
    gewöhnlich mit großem Gebuller.
    Beim Schwenken von Fächern
    auf schwankenden Dächern
    erfand er, so heißt es, den Schnuller.

    Es lebte, so hieß es, W. Funk
    gewöhnlich mit riesigem Prunk,
    wobei er oft borgte,
    und das wieder sorgte
    für ebenso riesigen Stunk.

    Es hatte Verleger J. Fust
    mit Gutenberg Ärger und Frust.
    Er wollt‘ dessen Schulden
    nicht länger erdulden
    und nahm ihn sich kräftig zur Brust.

    Es ärgerte Vasco da Gama
    die überaus boshafte Fama,
    er denke nur Schlechtes
    und tue nichts Rechtes
    und halte als Haustier ein Lama.

    Der Jura-Prof. Eduard Gans
    stand nicht in der Tradition Kants.
    Als Schüler von Hegel
    war fix er und kregel
    und machte Karl Marx fast zum Hans.

    Es fühlte sich Karlchen de Gaulle
    in England nicht sonderlich wohl.
    Drum dachte er schon
    sehr bald: „Invasion,
    dass Adolf der Teufel dann hol!‘“

    Es hatte Agentenchef Gehlen
    im Grunde verschiedene Seelen:
    Wenn er spionierte
    und sich amüsierte,
    dann ließ er’s an wirklich nichts fehlen.

    Es galt der Wandalen-King Geiserich
    als durchsetzungsstark und nicht leiserich,
    doch brüllt‘ er Befehle
    mit eiserner Kehle,
    dann war er am End‘ schon mal heiserich.

    Es nannte der „Psycho“ Hans Giese
    den Vorteil der grünenden Wiese
    für Kerls unter sich
    und weit weg vom Strich –
    und mehr Theorien wie diese.

    Es zeichnete Christian F. Gille
    Apoll mit ’ner niedlichen Zwille:
    Ein Stück zum Genießen
    und taugt‘ nicht zum Schießen,
    vor allem bei fehlender Brille.

    Es graste Herr O.M. von Glasenapp
    in Indien einmal den Rasen ab.
    Das war agronomisch
    zwar nicht grade komisch,
    doch lachte ’ne Kuh sich beim Grasen schlapp.

    The works of composer Phil Glass
    are stressing the value of brass,
    and those who can hear that
    will constantly fear that
    this means only gimmick and farce.

    Es hielt wohl Herr Johann R. Glauber
    das Salzseensalz nicht für sauber,
    und drum stellte er
    ein eigenes her:
    Das „Glaubersalz“ (Quatsch! Nichts als Zauber!)

    Es dichtete Johann W. Gleim
    im Kriege erheblichen Schleim
    (vom Wein und der Liebe
    und wie er’s gern triebe)
    und überaus schwächlich im Reim.

    Es gönnte sich Christoph W. Gluck
    auf „Orpheus“ ‘nen kräftigen Schluck.
    Dann trug er zu Felde
    den Rest von dem Gelde
    und kaufte der Freundin ’nen Schmuck.

    Es fand mal Herr Leo Gmelin
    per Zufall das Cholesterin.
    Das galt zwar als Schmach,
    doch machte das nach
    Herr Fleming beim Penicillin.

    In Dänemark herrscht‘ König Gorm
    in fast diktatorischer Form.
    Als alternder Zecher
    verwarf er den Becher –
    so schrieb es Fontane (nicht Storm).

    The mathematician George Green
    was wielding a curious skean
    when stuffing his money
    in pots made for honey:
    the funniest thing I have seen.

    Es hieß mal, dass Tonsetzer Grieg
    bei Nacht in den Oslofjord stieg.
    Da sagte Peer Gynt:
    „Ich glaube, der spinnt
    und schreibt eine Wassermusik.“

    Francesco Maria Grimaldi,
    das Mathe-Ass, spürte im Schall die
    erleuchteten Wellen
    und klingenden Schellen
    von Leuten wie G. Frescobaldi.

    Es sagte Professor J. Grimm:
    „Was hier geschieht, ist ja recht schlimm!
    Ernst-August, der Scheißer,
    ist wahrlich kein Reißer –
    ist königlich solch ein Benimm?!“

    Es tönte im Rundfunk A. Grimme
    mit unüberhörbarer Stimme:
    „Was mir an der Jagd
    besonders behagt,
    ist eher der Korn als die Kimme.“

    Der glänzende Clown namens Grock
    hatt‘ manchesmal gar keinen Bock,
    und ging bei der Geige
    der Bogen zur Neige,
    dann spielte er sie mit ’nem Stock.

    Es zeichnete Marcel Gromaire
    versehentlich einmal Voltaire
    mit Fesseln und Knebel.
    doch sah man’s im Nebel
    nicht gut, denn es war im „Brumaire“.

    Es war wohl der Bastler Max Grundig
    der Radioherstellung kundig.
    Mit Schrauben und Löten
    verdiente er Kröten
    und fand das – wen wundert’s – recht pfundig.

    Es kam der Geschichtler H. Grundmann
    im Urlaub am dänischen Sund an.
    Dort wollte er schwimmen
    und etwas sich trimmen,
    doch sank er sehr bald auf den Grund dann.

    Es fand einmal Martin Gusinde
    in Feuerland hinter ’ner Linde
    zwei junge Pygmäen.
    Er lehrte sie säen
    und fütterte sie mit der Rinde.

    Herr Gutenberg und seine Vettern,
    die konnten vielleicht nicht gut klettern,
    doch druckten sie Bücher
    auf trockene Tücher –
    und das mit beweglichen Lettern.

    Es widmete Wander de Haas
    sich gerne dem Helium-Gas.
    Dem schob er es zu,
    dass er mal im Nu
    nach schwieriger Krankheit genas.

    Es stiftete einmal Hans Habe
    ein Fahrrad für Robert Mugabe.
    Der konnt‘ nicht begreifen:
    „Es hat keine Reifen
    und hinten auch nicht mal ’ne Nabe.“

    Es hielt mal der Tierfreund Ernst Haeckel
    zu Haus einen hungrigen Teckel.
    Den sah man stets futtern
    die Schrauben und Muttern
    aus Haeckels unendlichem Säckel.

    Wenn Julius Edler von Hann
    die Wetterberichte begann,
    dann stellt‘ zum Beweis
    für Schnee und von Eis
    das Kühlschrankgebläse er an.

    Es dichtete Hartmann von Aue
    recht mittelhochdeutsch und ins Blaue
    zwei Artuslegenden
    mit offenen Enden
    und schwierig zu lesender Klaue.

    Der Schauspieler Otto E. Hasse
    hob immer sich ab von der Masse.
    Er ging in die Vollen
    in sämtlichen Rollen
    und zeigte dort einsame Klasse.

    Es hatte Herr Johann U. Hegner
    am Friedensgericht viele Gegner.
    Er ließ sich nicht blenden
    von Füßen und Händen
    und konterte immer verwegner.

    Als Bildhauer war Bernhard Heiliger
    nicht grad das Idol mancher Eiliger.
    Er spielte „Assessor“
    als Hochschulprofessor,
    doch das aber nur als Zeitweiliger.

    Als Gottesmann wusste Karl Heim
    auf Menschliches oft keinen Reim.
    Zwar hielt er für zünftig
    „Das Weltbild zukünftig“,
    doch Andere hielten’s für Schleim.

    Im Grunde war Heinrich von Melk
    mit achtzehn schon welker als welk,
    und wenn er mal lachte,
    dann ächzte und krachte
    sein Leib wie ein altes Gebälk.

    Der Schreiberling Heliodor
    beschrieb Äthiopiens Mohr.
    Er schob damit an
    den Action-Roman
    und kam sich werweißwiegroß vor.

    Es machte mal Theodor Heuss
    Museumsbesuche in Neuss.
    Er schmähte nicht nett
    den Filz und das Fett
    und ärgerte damit Herrn Beuys.

    Es futterte Ludvig von Holberg
    ganz gern Schokolade von Stollwerck,
    die er gar erhob
    mit süßlichem Lob
    zum hungervernichtenden Bollwerk.

    Wahrscheinlich kannt‘ Herbert C. Hoover
    nicht Mosel und Saar und nicht Ruwer.
    Doch technischerseits,
    da kannte bereits
    als Schüler den Römer Vitruv er.

    Als Medikus Christoph von Hufeland
    bei Eislaufen auf einer Kufe stand,
    da hatte er Glück
    beim Blick nach zurück,
    dass dort er die rettende Stufe fand.

    Es hasste Herr Johann N. Hummel
    gewöhnlich den lästigen Rummel
    bei seinen Konzerten
    in Anderleutsgärten
    mit heftigem Tastengefummel.

    Es lästerte Ulrich von Hutten
    zwar nicht über mönchische Kutten,
    doch seine Reform
    reichsrechtlicher Norm
    bescherte ihm „einen Kaputten.“

    Es orientiert‘ sich J. Hutter
    als Täufer nicht grade an Luther,
    doch floh von Tirol
    nach Mähren er wohl,
    denn dort schien ihm alles in Butter.

    Es war wohl Herr August W. Iffland,
    der einst einen Ring an ein Riff band.
    Der sollte geziemen
    dem achtbarsten Mimen,
    doch nur, wenn der nicht unter Kiff stand.

    Es baute Herr Ernst E. von Ihne
    mit Vorliebe hohe Kamine.
    Das schätzten nicht alle
    im fraglichen Falle,
    besonders nicht bei der Marine.

    Herr Ilja Arnoldowitsch Ilf
    geriet mal beim Schreiben ins Schilf.
    Da kam von der Alp
    „Das Goldene Kalb“
    samt Buchdeckel schnell ihm zu Hilf‘.

    Der „Turnvater“ Friedrich L. Jahn
    brillierte ganz gern als Galan.
    Er konnte am Barren
    in Ausschnitte starren –
    und das noch sogar simultan.

    They say that the ageing King James
    forgot all the names of the games
    he wanted to play
    by night and by day
    with limerick-queens and their dames.

    Der Rechtslehrer Rudolf von Jhering
    veschmähte den Bismarckschen Hering.
    Der schätzte das nicht
    und warf ins Gesicht
    den Spruch ihm „Ich achte Sie ge-ring!“

    Als Flieger bedient‘ Hugo Junkers
    sich immer der Dienste des Funkers.
    So konnte er finden,
    auch Unter den Linden,
    die Richtung zum Eingang des Bunkers.

    Gelegentlich spürte Curd Jürgens
    die schädlichen Folgen des Bürgens.
    Denn wenn der nur türkte,
    für den er da bürgte,
    dann traf ihn ein Anfall des Würgens.

    Es war der Prälat Ludwig Kaas
    fünf Jahre vom „Zentrum“ der Baas,
    hat Adolf „ermächtigt“
    und floh übernächtigt
    nach Rom, wo zum Schluss er noch saß.

    Es schuf „achtundvierzig“ D. Kalisch
    den „Kladderadatsch“ theatralisch.
    Er traf mit Couplets
    in Schwarze fast stets,
    und manchmal war’s recht martialisch.

    Der Baumeister Jakob van Kampen
    vergaß mal in Häusern die Lampen.
    Er konnt‘ deren Fehlen
    nie wieder verhehlen:
    Es fehlten die nötigen Krampen.

    Die „Karschin“, Frau Anna L. Karsch,
    blies trefflich mit „Dichten“ den Marsch.
    Sie konnt‘ gut parieren
    und improvisieren,
    doch Verse und Reime war’n harsch.

    Es traf sich, dass Hans Hermann Katte,
    den Friedrich zur Flucht bequatscht hatte,
    den Kopf dann verlor
    mit Haut und mit Ohr –
    Historiker kenn’n diese Platte.

    Es konnt‘ Félix Kir nicht erhoffen,
    dass er da ins Schwarze getroffen:
    Sein Kir aus Dijon,
    so rot wie Bonbon,
    wird heute von Vielen gesoffen.

    Es faulenzte Hans Helmut Kirst
    am Vormittag auf seinem First.
    Dann schrieb er um zwölfe
    sein Hauptwerk „Die Wölfe“
    und sagte dem Lektor: „Du irrst!“

    Man sagte, der Banker Karl Klasen
    bezeichnete alle als Nasen,
    die eine Bilanz
    von vorne und ganz
    anstelle der Bild-Zeitung lasen.

    Der Musikus Paul A. von Klenau
    verehrte Franz Nikolaus Lenau,
    was derart ihn plagte,
    dass schließlich er sagte:
    „Wär’s möglich, dass dem ich ein Gen klau!“

    Der Erdenbeschreiber Fritz Klute
    zollt‘ gern zwar der Eiszeit Tribute,
    doch Wassergeplätscher
    an jeglichem Gletscher –
    da hatte er nichts mit am Hute.

    Der Gynäkologe H. Knaus
    kannt‘ gut mit Verhütung sich aus.
    Er stellte den Wecker
    und selbst bei Gemecker
    schrie er, wenn der klngelte: „Aus!“

    Es rückte Sebastian Kneipp
    dem Wasser ganz gern auf den Leib.
    So konnte er beten
    und gleichzeitig treten,
    doch das nur zum Zeitenvetreib.

    Der Forscher L. Ritter von Köchel
    brach wohl sich an Mozart die Knöchel,
    doch konnt‘ er im Krabbeln
    Verzeichnisse babbeln
    und starb auch nicht unter Geröchel.

    Der persische Großkönig Kyros
    hielt Ordnung in sämtlichen Büros,
    und dazu gehörte,
    was viele empörte,
    die Strafe fürs Essen von Gyros.

    They say that the author Charles Lamb
    once sat in a pot full of jam.
    No wonder, he hated
    his trousers abated
    and blaringly shouted, „Oh, damn!“

    Es hörte mal Ferdi Lassalle
    ganz nah einen lautstarken Knall.
    Dann gab es wie Pfeffer
    ‘nen tödlichen Treffer,
    und tot war er lang‘ vor dem Fall.

    Es zog einst der Physiker Lecher
    gern Leitungen über die Dächer.
    Dann schrieb er der Zeitung:
    „Ich hab hier ’ne Leitung,
    mit Doppeldraht – deshalb nicht schwächer.“

    Der Jugendstilkünstler M. Lechter,
    der sorgte ganz gern für Gelächter.
    Auch trug er die Sorge
    für Stefan George:
    als Buchbinder war er kein schlechter.

    The General Robert E. Lee
    said musingly suddenly „Gee!
    What if we can Grant
    get leaning aslant,
    then we’ll win the war and not he!“

    There was a young writer, George Lillo,
    who once burned a hole in his pillow.
    The reason was this:
    He was full of bliss
    when smoking his first cigarillo.

    The forthcoming doctor Joe Lister
    was learning his trade on a blister,
    and many years after
    he’d chuckle with laughter
    about his large file called a xyster.

    Es ärgerte Theodor Litt
    die Anrede „Theodolit“.
    Er ließ sich nicht gehen,
    doch konnte man sehen,
    wie unsäglich Theodor litt.

    They say that the ageing Lloyd George
    fell victim at lunch in a forge,
    was utterly shaken
    by poisonous bacon,
    and couldn’t just help but regorge.

    Es schrieb Herr Guillaume de Lorris
    im Grunde mal das und mal dies.
    Dann fing er zwar an
    den Rosenroman,
    doch fand er den bald ziemlich mies.

    Es wurde der Drucker Hans Lufft
    zu Hause auch schon mal geknufft.
    Das fand er nicht gut,
    doch ist seine Wut
    gewöhnlich sehr bald schon verpufft.

    Es wusste der Kirchenmann Lullus
    natürlich vom alten Lukullus.
    Doch tat ihn verdrießen
    das bloße Genießen,
    drum hielt er sich mehr an Catullus.

    Als Physiker hatte O. Lummer
    bestimmt nichts am Hut mit dem Hummer.
    Doch wollt‘ er beim Essen
    das auch nicht vergessen.
    Das schuf ihm zu Hause nur Kummer.

    Es tanzte der Staatsmann Lumumba
    im Dienst höchst wahrscheinlich nie Rumba.
    Doch tat er sein Leben
    in Mörderhand geben
    und landete unter ’ner Tumba.

    Es druckte Herr Martin Luserke
    ganz gerne die eigenen Werke.
    Auch liebte er sehr
    die „Schule am Meer“
    auf Juist als ein Zeichen der Stärke.

    Der Tonsetzer Theo Mackeben
    konnt‘ gut von dem Notenkram leben.
    Beim „Zapfenstreich“ gingen
    dann alle zum Singen
    und anschließend noch einen heben.

    Der Tonsetzer Bruno Maderna
    schrieb nix so in Richtung „Klein Erna“
    Sein Zwölfton-Duett
    „Von A bis nach Z“
    zielt eher da schon nach „Aeterna“.

    Es liebte der olle Karl Marx
    in London die riesigen Parks,
    und deswegen haben
    sie dort ihn begraben –
    trotz allen rhetorischen Quarks.

    Es malte der Maler Masaccio
    gern Szenen von diesem Boccaccio.
    An etlichen Stellen
    bei seinen Modellen
    betätigte er sich als Macho.

    Ein Mediävist namens Meinrad
    erfand mal im Kloster das Einrad.
    Dann wurd‘ er erschlagen
    zur Klärung der Fragen:
    „Ja, ist das nun mein oder dein Rad?“

    Der Klostermann Gregor J. Mendel
    entdeckte nicht nur am Lavendel
    Vererbungsgesetze.
    Er knüpfte auch Netze
    für Fischer des Ortes Sankt Wendel.

    Als Knabe, da hatte Fürst Metternich,
    der tapfer dem älteren Vetter glich,
    beim Apfelklau’n Mut.
    Er sagte: „Na gut,
    wenn’s sein muss, mein Lieber, dann kletter‘ ich!“

    Der Tonsetzer Giacomo Meyerbeer
    nahm öfter auf Parties die Leier her.
    Er spielt‘ umso freier,
    je älter die Leier –
    als wenn er so gierig wie’n Geier wär‘.

    Es predigte oftmals Ernst Michel
    die Story vom Tod mit der Sichel.
    Doch brachte der Tod
    ihn nicht aus dem Lot –
    er half ihm noch nach mit ’nem Stichel.

    Es rührte die Dichterin Miegel
    zu Mittag gerade im Tiegel.
    Da kam mit der Post
    ein Brief voller Rost
    und sichtbar erbrochenem Siegel.

    Es grantelte Robert von Mohl:
    „Die rechtliche Lage ist hohl.
    Es muss sowas ge’m
    wie Rechtsstaatssystem,
    dann geht es den Bürgern hier wohl.“

    They say that Thelonius Monk
    considered „Traditional“ junk.
    However, some pieces
    he played for his nieces
    infrequently, when he was drunk.

    In Bayern, da war Lola Montez
    wohl Gegenstand manchen Affrontes.
    Dann musste sie gehen,
    und übers „Geschehen“,
    da fragte man ratlos „Wie konnt‘ es?“

    Als Mädchen schrieb Elsa Morante
    Gedichte für Onkel und Tante.
    Doch taten die holpern
    und manchmal auch stolpern,
    bis endlich das Versmaß sie kannte.

    Es fand Alfred Meyer (auch „Munkepunke“)
    durch Zufall im Haus eine Kellerunke.
    Die ließ er mit schlichten
    Gewürzen sich richten
    und aß sie zu Mittag mit Kaperntunke.

    It once was admitted by Nash
    that some of his buildings were trash:
    „The Royal Pavilion
    is deeply civilian,
    but earned me a million in cash.“

    Es trug Friederike C. Neuber
    Parfüm auf mit ohne Zerstäuber.
    Sie warf‘ von der Bühne
    „Hanswurst“ raus ins Grüne
    und knöpfte sich vor dann „Die Räuber“.

    Als Schüler war Richard M. Nixon
    nun wirklich nicht einer der fixen.
    Doch dann im Senat,
    da stand für Spagat
    sein Name und vornehmlich „tricksen“.

    Es knallte bei Alfred Nobel
    gewöhnlich recht heftig und schnell,
    wenn so eine Mine
    aus Sprenggelatine
    mal hochging wie sein Naturell.

    Ein Ärgernis für Emmy Noether,
    war‘n zahlreiche Nachbarschaftskoether:
    (Oft war’n die am Raufen
    und machten auch Haufen.)
    Die schlug sie schon mal auf den Poether.

    Es schwärmte der Schreiber Novalis:
    „Ich schätze die Wirkung des Kalis,
    besonders, wenn Knaben
    ein Wunderhorn haben –
    doch das nur ‚cum grano -hm - salis‘“.

    [Jetzt schweife ich ab, liebe Leute:
    Novalis ist einfache Beute.
    Vor allem, da er,
    so zeigt es sich her,
    sich nicht vor Vergleichsdiebstahl scheute].

    Da schimpfte der Dichter Brentano:
    „Dem tret‘ ich in ‚Schinken Serrano!‘
    Novalis ist krank
    und doof durch die Bank –
    mens sana in corpore sano!

    Das Wunderhorn ist nun mal meins
    und Achim von Arnim auch seins.
    Mit diesem Plagiator
    und Wort-Usurpator
    da werden wir beide nie eins!“

    [Ich schweife zurück, liebe Leute,
    und das „hic et nunc“ (also heute).
    Auch tut es mir leid
    um alle die Zeit,
    da niemand der Diebstahl erfreute].

    Herr Nurmi, mit Vornamen Paavo,
    der hörte des öfteren „Bravo“
    für alle seine Siege
    der Langstreckenriege –
    und nicht zu vergleichen mit AWO.

    Es reichte Herr Milton Obote
    den Staatsgästen nicht mal die Pfote.
    Doch dann stürzte ihn
    der Idi Amin
    und herrschte nach eignem Gebote.

    Es kannten den alten Carl Orff
    die Kinder in jeglichem Dorf.
    Sein „Instrumentarium“
    war zwar kein Herbarium,
    doch brauchte es auch keinen Torf.

    Es führte der Lehrer Origenes
    als Leben ein ziemlich gediegenes.
    So hielt er den Braten
    für besser geraten,
    „als wenn ich die Beine der Fliegen ess‘“

    Es zeichnete Isaak Ostade
    die Linien selten gerade.
    Das sei dort im Dorf,
    doch alles nur Torf,
    sprach er, und drum hielt er’s für fade.

    Der Rom-Imperator M. Otho
    war öfter in Rom als in Vlotho,
    dem Dorf an der Weser.
    Als Vorschriftenleser
    bevorzugte „pars“ er „pro toto“.

    Der Dichter und Schreiber Karl Otten
    lief „Adolf“ davon zu den Schotten.
    Doch später zog’s ihn
    ins Schweizer Tessin.
    Er wollt‘ nicht in Deutschland verrotten.

    Es kannte der alte Ovid
    wahrscheinlich den Satz des Euklid.
    Doch weil er mit Mathe
    am Hute nix hatte,
    ist’s einsichtig, dass er ihn mied.

    Es schimpfte der Film-Guru Pabst:
    „Wie du dich an Filmgagen labst,
    mein lieber Hans Moser,
    zeigt mir, du bis loser
    als das, was dem Film du selbst gabst!“

    Der Bildschnitzer Michael Pacher
    aß fünfzehn Stück Torte bei Sacher.
    Sein Darm gab dann mehr
    als das davon her –
    und Pacher hieß dann nur „der Kracher“.

    Der Buchhändler Johann P. Palm
    erahnte Napoleons „Qualm“.
    Dem war das zu bitter
    Palm kam hinter Gitter
    und ward füsiliert auf ’ner Alm.

    We know that Queen Catherine Parr
    did not have to go very far
    with Henry, her king.
    The easiest thing:
    survival – the door left ajar.

    Für Dreiecke fand Herr Pascal
    die Beispiele fast überall.
    Doch war es das seine
    und zwar dieses eine,
    ein äußerst besonderer Fall.

    Es reizte mal Louis Pasteur
    beim Skat „ohne vier“ und auf „Coeur“.
    Da fand er „den Alten“
    im Stock, und es schallten
    die Rufe der andern: „Malheur!“

    Sir Walter Horatio Pater,
    who quarrelled, one day, with a waiter,
    said, „If you came later
    to me for to cater,
    you’d see that I’ve just lost a gaiter.“

    Der Herforder Bürger-Chef Quentin
    verfolgte ’ne Abitur’jentin
    in jüngeren Jahren
    und nachts hingefahren,
    kam er dann doch ziemlich verpennt hin.

    Es fühlte sich Gottfried W. Rabener
    erhaben und dann noch erhabener.
    Dann starb er als Stift
    von Jonathan Swift
    und wurde ein Untergegrabener.

    Es hatte Herr Leo von Ranke
    ’ne außergewöhnliche Pranke,
    und wollt‘ er begrüßen
    die Hand seiner Süßen,
    dann sagte die meistens „Nein, danke!“

    Der Maler und Zeichner A. Rethel
    verirrte sich einmal in Bethel,
    wo heftig er fluchte,
    als nutzlos er suchte
    die Richtung und auch seine Ethel.

    Der Foto-Mann Jacob A. Riis
    belichtete das und auch dies
    an Filmen und Platten,
    die Schwachstellen hatten,
    und all diese Bilder war’n mies.

    The medical doc F.C. Robbins
    discovered when toying with bobbins
    a polio blocker,
    and as a great shocker
    he tried it right out on some dobbins.

    Es kam wohl Herr Ferdi von Saar
    im wirklichen Leben nicht klar.
    So schoss er sich tot
    in innerster Not –
    man weiß nicht, ob’s wirklich so war.

    Es stürzte der Groß-Sultan Saladin
    durch Zufall mal unter dem Baldachin.
    Er schalt seinen Diener,
    ’nen argen Schlawiner:
    „Du bist mir ein lausiger Paladin!“

    Es zeigte der Eisläufer Salchow
    den „Salchow“ am Rand von Klein-Malchow.
    Der ging ihm daneben,
    da plumpste er eben
    ganz ungelenk auf seinen Balch-ow.

    Den Schreiberling Pedro Salinas
    erfreute der Reiz Palästinas.
    Er aß Pampelmusen
    und hielt sich zum Schmusen
    vor allem an knusprige Tinas.

    Der Studiker Karl-Ludwig Sand
    nahm kurz seine Knarre zur Hand,
    und Kotzebues Leben
    tat’s bald nicht mehr geben –
    der Schuss kam zu schnell und rasant.

    Es mochte sich William Saroyan
    am Neuwagen nicht so recht freuen.
    Der Grund: Das Getriebe
    erzeugte Geschiebe.
    Da kaufte er halt einen Neuen.

    Zu Lebzeiten schon galt W. Sauer
    als namhafter Orgel-Erbauer.
    Doch was er so dachte
    und wie er die machte –
    das wüsste man gerne genauer.

    Der Baumeister Hans B. Scharoun
    hatt‘ meistens zwar reichlich zu tun.
    Doch nahm er sich Muße
    und rupfte als Buße
    zu Weihnachten einmal ein Huhn.

    Es ärgerten Leonhard Schäufelein
    beim Werken die Sägemehl-Häufelein.
    Dann zog aus der Tasche
    zum Trost er die Flasche
    und brummte: „Na, prost denn – ich träufel‘ ein.“

    Bekannt war Herr Ferdi von Schill
    für seinen gewaltigen Drill.
    Das war nicht gesund:
    Er fiel bei Stralsund
    im Mai (und nicht etwa April).

    Als Schullehrer fand Otto Schmeil
    die Stunden in „Bio“ nicht geil.
    Er wirkte enorm
    und brachte Reform
    und bot sie als „Flora“-Buch feil.

    Es klatschte mal Johann G. Schnabel
    beim Kopfsprung genau auf den Nabel.
    Der Arzt sagte frech:
    „Da hamse nun Pech,
    der Nabel ist irreparabel.“

    Es glaubte Herr Johann S. Schuckert,
    er hätt‘ seinen Kaffee gezuckert.
    Doch war die Substanz
    aus Zucker nicht ganz
    und hat darum kräftig gegluckert.

    Verärgert sprach Robert F. Scott
    im Hinblick auf mancherlei Spott:
    „Es soll nicht Amundsen
    den Südpol verhunzen.
    Drum vorwärts, ihr Männer, und flott!“

    Insgeheim hielt Herr Sir Walter Scott
    einen Teil seiner Werke für Schrott.
    Aber wenn das wer hörte,
    explodiert‘ er und röhrte:
    „Sagen’s bloß das nicht weiter, o Gott!“

    Wenn einmal Herr Augustin Scribe
    zu Haus ein Theaterstück schrieb,
    verschmähte der Prasser
    bei Durst „Das Glas Wasser“,
    so dass ihm das Weinfass nur blieb.

    Der Grafiker Lasar Segall
    war schon ein besonderer Fall:
    Er leugnete nie
    sein Vorbild-Genie,
    und das war nun einmal Chagall.

    They say that at school P.B.Shelley
    once stumbled and fell on his belly.
    He wasn’t quite sure,
    if there lay manure,
    but nevertheless found it smelly.

    There was a young poet, James Shirley,
    who loved to play jokes on his girlie.
    He lured her to bowers
    at midnightly hours,
    and afterwards said, „You’re too early.“

    Der Sprachforscher Theodor Siebs
    erforschte den kleinlichsten Pieps.
    Doch war’n Manuskript
    mal schlampig getippt,
    zerriss er es gleich und zerrieb’s.

    Der Philosophie-Prof. G. Simmel
    verabscheute Erdengewimmel.
    Er suchte vergebens
    die „Züge des Lebens“
    auf Erden und später im Himmel.

    Es jagte mal Frankie Sinatra
    am Fuße der ganz hohen Tatra
    nach Strich und nach Faden
    durch Kurven und G’raden
    in so einem Flitzer von Matra.

    Es ließ einst der Dichter John Skelton
    den Kardinal Wolsey nicht gelten.
    Er wünschte ihm schnell
    den Teufel ans Fell –
    es war’n halt verschiedene Welten.

    Der klassische Bildhauer Skopas
    war nicht grad der größte Europas.
    Doch schuf er Ikonen
    der Kampf-Amazonen
    als Miniaturen in Topas.

    Es war der Baronin de Staël
    ihr Dasein als Frau nicht egaël.
    Drum schrieb sie „Delphine“
    mit seliger Miene
    und lebte den Text gleich einmaël.

    Es ging bei Charlotte von Stein
    Herr Goethe zwar aus, doch nicht ein.
    Die Trennung am Lido
    beschrieb sie in „Dido“
    und ließ den Herrn Goethe dann sein.

    Es wollte der Freiherr vom Stein
    berühmt nach dem Tode gern sein.
    Er trieb zur Entfaltung
    vor Ort die Verwaltung
    und ging (in Geschichtsbücher) ein.

    Es malte Herr Edward von Steinle
    von Mädchen am liebsten das Beinle,
    und war’s dann vorbei
    die Anpinselei,
    dann trank er mit ihnen ein Weinle.

    So groß war das Mundwerk von Stentor:
    er brauchte zum Schrei’n keinen Mentor.
    so dass, was er brüllte
    den Erdball erfüllte –
    und’s cornische Dörfchen Bolventor.

    Es werkelte Heinrich von Sybel
    und bohrte ein Loch für ’nen Dybel.
    Dann aß er beim Schrauben
    verdorbene Trauben
    und fühlte sich widerlich ybel.

    The President William H. Taft
    once went on a trip on a raft.
    Beyond his inspection
    his crew changed direction
    and claimed it was done by the draught.

    The President Zachary Taylor
    began his career as a jailer.
    A little he knew
    of „Tippecanoe“
    and died as a heavy „inhaler“.

    Es wandelte Gerhard Tersteegen
    von Mülheim bis Moers auf den Wegen
    von Mystik und Geist,
    was neuhochdeutsch heißt:
    Geheimnis, Gespenst – welch ein Segen!

    Es schuf Nicodemus Tessin
    Barockhäuser niemals in Wien.
    Er macht‘ den Barock
    in Schweden zum Schock,
    und deshab verehrte er ihn.

    Der Wirtschaftsmann J.H.von Thünen
    verlief sich im Urlaub auf Fünen,
    gezielt und zur Schau
    weit weg von der Frau –
    na, wo wohl? Ja, klar: in den Dünen.

    Es war zwar Herr Tiglatpileser
    als König (und nicht nur Verweser)
    des Reichs der Assyrer
    kein Thema für Dürer,
    doch schätzten ihn sehr die Malteser.

    Es hatte der Feldherr J. Tilly
    ’nen Diener, der hörte auf „Willy“.
    Den ließ er stets schreiben
    auf Brettern und Scheiben
    und zeichnete „loco sigilli“.

    Es musste bei J.H.W.Tischbein
    der Wein auf dem Tisch immer frisch sein.
    Da brachte ihn Goethe
    beim Zeichnen in Nöte
    und warf ihm ins Glas einen Fisch rein.

    Es fand sich Herr Josip Broz Tito
    gezeichnet auf einem Sgraffito,
    verkündet‘ mit schallen-
    dem Lachen Gefallen
    und zeichnete unten ab „dito“.

    The President Harry S. Truman
    considered succession quite human.
    He fiercely detected
    all those who objected
    rebuked them in all sorts of Yuman.

    They say that the President Tyler
    once scoffed at his daughter Delilah.
    He then climbed the steeple
    and told all the people,
    „Just if you can’t get her, beguile ‘er“.

    Der Buchdrucker Johann F. Unger
    brach einmal zuammen vor Hunger.
    Das kannte man nur
    als „Unger-Fraktur“
    und drucktechnisch-schräges Gelunger.

    Es wollte Herr Martin Van Buren
    im Winter in Württemberg kuren.
    Dort traf er ’ne Dame,
    Viola ihr Name,
    und folgte im Schnee ihren Spuren.

    The seafaring Georgie Vancouver
    lost course in a tricky manouevre.
    He said to the girl
    who offered her pearl,
    „be quiet, or I’ll just remove yer.“

    Der Physiker John H. Van Vleck
    bewahrte in einem Versteck
    den Preis von Nobel.
    Dann schickte er schnell
    die restlichen Mitwisser weg.

    Es schrieb wohl als Kind Clara Viebig
    mit rechts oder links ganz beliebig.
    Dann lobte der PEN
    ihr Werk „Kreuz im Venn“ –
    da wurde das Schreiben ergiebig.

    Es hatte Luchino Visconti
    mal Krach Herrn Carlo C. Ponti.
    Der meinte mit „Reifen“
    die filmischen Streifen
    und nicht nur die Reifen von Conti.

    Es hatte der Römer Vitruv
    als Baumeister schon einen Ruf,
    bevor noch in Rom
    er Tempel und Dom
    und sonstwas Gebäudiges schuf.

    Es hängte als Knabe W. Vocke
    gern jede erreichbare Socke
    ganz früh im Advent,
    und zwar vehement
    dem Nikolaus an seine Glocke.

    The jingoist William Walker
    was rather an eminent talker.
    He fought a few wars
    and shot a few boars
    as being a pretty good stalker.

    Quite cleverly noticed James Watt
    the impact of steam on a pot.
    He put on the lid,
    but sadly it slid,
    and “scalded” was all that he got.

    Es futterte einmal Max Weber
    bei Tische zuviel von der Leber,
    was ihm nicht bekam.
    Da dacht‘ er voll Gram:
    ‘Vom Rind ist’s doch besser als Eber.‘‘

    Recht sauer war Anton von Webern
    beim Tennis, wenn andre mit Hebern
    ans Laufen ihn brachten.
    Dann wollt‘ er gern trachten
    nach’m Leben den flinkeren Gebern.

    Quite angry was actor John Wayne
    when apple-juice came as a stain
    on collar and pants
    and tickled like ants.
    He tried to remove in vain.

    Es kamen Herrn Alfred L. Wegener
    im Leben kaum etwas gelegener
    als Schirme und Mützen.
    Die konnten ihn schützen,
    denn schließlich stand grade im Regen er.

    Es spaltete gern Herbert Wehner
    politisches Holz wie sonst keener.
    Er fällte galant
    den Freund Willy Brandt
    und freute sich mehr noch als jener.

    Bei Nacht komponierte Kurt Weill
    am liebsten auf schwingendem Seil.
    Dort kam er auch besser
    auf Macky und Messer
    und bot für drei Groschen ihn feil.

    Es wollte Herr Johann W. Wichern
    das Leben von Schwächeren sichern
    und dachte sich aus
    was raues als Haus.
    Das bracht‘ seine Gegner zum Kichern.

    Es glaubte der große Sir Winston
    nicht Hirn- oder andren -gespinsten
    und tat sich auch weigern,
    wie folgt, falsch zu steigern
    von „drin“ über „drinner“ „am drinnsten“.

    Es war‘n für Chemie-Prof. G. Wittig
    Syntheseprobleme nicht strittig.
    Bei Geometrie
    verzagte er nie
    und setzte die Hälfte stets mittig.

    Herr Christian Freiherr von Wolff,
    der dachte gern nach in Saint-Nolff
    normannisch-bretonisch
    und kegelschnitt-konisch,
    und hinterher spielte er Golf.

    Der Maler und Graphiker „Wols“,
    der malte am liebsten auf Holz.
    Er hieß Wolfgang Schulze
    und hasste die Schnulze.
    Verständlich: Darauf war er stolz.

    Es lieferte Theophil Wurm
    den „Braunen“ gern manch‘ einen Sturm.
    Die Predigten, Reden
    war’n Mahnung für jeden –
    und nicht nur im Elfenbeinturm.

    Gelegentlich litt Frau Xanthippe
    an Schnupfen und fiebriger Grippe,
    und dann schikanierte
    und terrorisierte
    sie Sokrates und ihre Sippe.

    Es dachte der Schriftsteller Xenophon
    beim Feldzug des Kyros an Rückkehr schon.
    Dann führte er sausend
    den „Zug der Zehntausend“
    und machte in Trapezunt Endstation.

    Es fragte der Dichter W. Yeats
    beim Deutschlandbesuch mal „wie geats?“
    Da kriegt‘ er zu hören
    (so wollte er schwören)
    die Antwort des Andern: „So steats“.

    The Irishman William B. Yeats
    once stood at an Englishman’s gates.
    This man let him wait
    and, testing his gait,
    he told him to roll off on skates.

    They say that the poet Ed Young
    reciting, once twisted his tongue.
    And all those who heard
    him found it absurd
    and dumped him at night in the dung.

    Es hieß mal, Carl Theodor Zahle
    behauptete tausende Male,
    Familiengeschichte
    sei nichts für Gedichte:
    Sein Vorfahr‘ sei Karlchen der Kahle.

    Der Züricher Schreiber Ernst Zahn
    brach Heimatlandthemen gern Bahn.
    Nun ging das nicht ohne
    die vielen Kantone –
    geplant oder einfach spontan.

    Es druckte der Drucker G. Zainer
    die Bibeln wie vor ihm sonst keiner.
    So haben die meisten
    Antiqua und Leisten –
    das schätzen noch heut‘ die Lateiner.

    Es schätzte der Musikus Zappa
    zu Mittag durchaus einen Grappa.
    Den hatt‘ er dabei
    beim Film „Gelber Hai“
    und schenkte ihn dann seinem Papa.

    Es tüftelte einmal Carl Zeiß
    an Linsen die Birne sich heiß.
    Da sprach seine Irma:
    „Verkauf‘ doch die Firma!“
    Doch ging er nur „stiften“ – wie weis‘!


    Dialoge

    Es sagte ein Teller zur Tasse:
    „Du bist ja mehr Masse als Klasse.
    Auch geht mir dein Henkel
    enorm auf den Senkel.
    Ein Mist, dass nur ich zu dir passe!“

    Da sagte die Tasse zum Teller:
    „Du bist ein erbärmlicher Preller.
    Ich fasse auch ohne
    dich „Saft“ von der Bohne.
    Dich stellt man dann schon in den Keller!“

    Es sagte ein Stühlchen zum Tisch:
    „Ich glaube, du riechst nicht sehr frisch.
    Da haben wohl Leute
    von gestern bis heute
    auf dir filetiert ihren Fisch!“

    Da sagte das Tischchen zum Stuhl:
    „Du riechst ja auch selbst nicht grad cool.
    Da taten wohl Hintern
    zu lang überwintern.
    Das buch‘ ich mal ab unter ‚Pfuhl‘!“

    Es sagte ein Feger zum Blech:
    „Bei Licht beseh’n bist du zu frech.
    Du schabst übern Boden,
    als sängest du Oden –
    sei froh, dass mit dir ich noch sprech‘!“

    Da sagte das Blech zu dem Feger:
    „Du bist doch ein Ärger-Erreger.
    Im Staub herum wirbeln
    und’s Haar dabei zwirbeln,
    das ist ja nun auch nicht integer!“

    Es sagte ein Hammer zum Beitel:
    „Ich hau‘ dir eins über den Scheitel,
    damit du schön stichst
    und Maserung brichst.
    Drum mach schon und sei nicht so eitel!“

    Da sagte der Beitel zum Hammer:
    „Du redest, als wärst du ein Strammer.
    Doch schlägst du zu schwach,
    kriegst niemanden wach.
    Dein Image hat etwas von Jammer!“


    Es sagte ein Mäher zum Rasen:
    „Ich komm‘ heute wieder mal grasen.
    Ich spiele Friseur,
    und gibt’s ein Malheur,
    dann kannst du ja herzlich gern rasen.“

    Da sagte der Rasen zum Mäher:
    „Komm her, aber bloß nicht als Näher.
    Ich will keine Rillen,
    wo dann diese Grillen
    sich darbieten Elster und Häher.“

    Es sagte ein Zieher zur Schraube:
    „Du kommst jetzt mit mir in die Laube
    und hältst dort den Winkel,
    entworfen von Schinkel –
    so hieß doch der Kerl, wie ich glaube.“

    Da sagte die Schraube zum Zieher:
    „Du riechst ja verdächtig nach Bi-er.
    Hier wird’s nix mit Schrauben,
    das kannst du mir glauben.
    Drum pack dich gefälligst von hi-er

    Es sagte zum Faden die Nadel:
    „Aus Edelstahl bin ich, von Adel.
    Dich zieh‘ ich nur mit
    auf Schritt und auf Tritt
    und näh‘ ohne Fehl oder Tadel.“

    Da sagte zur Nadel der Faden:
    „Bescheidenheit könnte nicht schaden.
    Was schaffen Geräte
    wie du denn für Nähte,
    wär’n sie nicht mit Fäden beladen!“

    Es sagte die Feder zur Tinte:
    „Das ist ja hier wie in der Pinte.
    Ganz voll bis zum Rand
    und dann in der Hand
    die reizvollsten Strich-Labyrinthe!“

    Da sagte die Tinte zur Feder:
    „Nun, zieh‘ nicht so dämlich vom Leder!
    Im Zickzack zu laufen
    nach heftigem Saufen –
    das kann doch problemlos ein Jeder!“

    Es sagte zur Tür mal die Klinke:
    „Sieh her, wie ich blitze und blinke.
    Als Tür musst du darben
    in Lacken und Farben –
    absonderlich ist diese Schminke!“

    Da sagte zur Klinke die Tür:
    „Ich kann ja wohl gar nichts dafür.
    Doch bin ich aus Holz
    und das ist mein Stolz,
    denn du wirst mal Schrott für und für!“

    Es sagte zum Messer die Gabel:
    „Du schneidest ja höchst miserabel.
    Auf dir kann man reiten
    und angenehm schreiten –
    für’n Schneidgerät impraktikabel.“

    Da sagte zur Gabel das Messer:
    „En Kölle, do wörste ne Schesser.
    Und gibt es mal Suppe,
    bist du denen Schnuppe –
    mit mir essen die dann viel besser.“

    Es sagte ein Hemd mal zum Kragen:
    „Ich bin es jetzt leid, dich zu tragen.
    Ich werde beim Schneider
    an Stör und an Eider
    Befreiung von dir mal erfragen.

    Da sagte der Kragen zum Hemd:
    „Du hast mich zwar lange gestemmt.
    Doch wenn ich dir fehle,
    dann sieht man die Kehle,
    den Specknacken, da, wo er schwemmt.“

    Es sagte ein Buch zum Regal:
    „Die Bretter hier sind eine Qual.
    So hart ist mein Lager,
    so schmucklos und mager
    und außerdem auch noch banal.“

    Da sprach das Regal zu dem Buch:
    „Ihr seid doch als Gäste ein Fluch.
    Ihr lasst euch nur tragen,
    wisst Dank nicht zu sagen
    und protzt noch mit Leder und Tuch.“

    Es sagte der Mann zu der Maus:
    „Es ist hier wohl niemand im Haus.
    Und sollte wen freu’n
    ’s „Hen dia dyoin“,
    dann mach ich mir auch nichts daraus.“

    Da sagte die Maus zu dem Mann:
    „Wie gut ich mit dir es doch kann!
    Die anderen alle
    bereiten die Falle,
    die mir an den Kragen soll dann.“

    Es sagte das Haus zu dem Hof:
    „Das Rumsteh’n hier finde ich doof.
    Ich könnt‘ auf der Tenne
    Getanze, Gerenne
    genießen bei zünftigem Schwof.“

    Da sagte der Hof zu dem Haus:
    „Nun mach dir man gar nichts daraus.
    Denn Tassen im Schrank
    sind auch eine Bank –
    die Scherben dagegen ein Graus.“

    Es sagte der Dichter zum Denker:
    „Sie machen gewaltige Schlenker
    und lassen beim Denken
    das Hirn mich verrenken,
    fast so wie der geistige Henker.“

    Da sagte der Denker zum Dichter:
    „Was sollen die vielen Gesichter
    beim Interpretieren
    die Logik verlieren –
    da hätte ich gern einen Schlichter.“

    Es sagte der Hase zum Igel:
    „Ich sehe da hinten im Spiegel
    das Igelweib lauern.
    Das lässt mich erschauern.
    Dann ist ja die Wette im Tiegel.“

    Da sagte der Igel zum Hasen:
    „Dann lass doch ‚Halali‘ mal blasen.
    Ich seh‘ dort im Spiegel
    ‘nen kräftigen Beagle.
    Der bringt dich ganz sicher zum Rasen.

    Es sagte zur Schwester der Bruder:
    „Du bist ein abscheuliches Luder.
    Du machst mich zum Reh,
    so wie ich es seh‘,
    und schmeißt dich dem König ans Ruder!“

    Da sagte zum Bruder die Schwester:
    „Was soll denn bloß dieses Geläster?
    Bei Hof geht’s uns gut,
    da gibt’s ein Statut,
    und du wirst mein Haustier, mein Bester!“

    Es sagte das Farbband zum Drucker:
    „Mich stört dieses laute Getucker
    und wie diese Typen
    Klavier auf mir ypen –
    das ist wohl kein Schlecken von Zucker.“

    Da sagte der Drucker zum Farbband:
    „Wo immer ich, als ich dich warb, stand,
    mich würd‘ int‘ressieren
    in Künstlerquartieren,
    wie dich wohl der große Hans Arp fand.“

    Es sagte die Pumpe zum Reifen:
    „Dich sollte man spiegelblank schleifen.
    Dann schabt das Profil
    nicht länger so viel
    und lässt sich viel besser ergreifen.“

    Da sagte der Reifen zur Pumpe:
    „Geschliffene Reifen sind plumpe.
    Die mögen auf G’raden
    zwar niemandem schaden,
    doch sind sie in Kurven Gelumpe.“

    Es sagte das Kind mal zum Kegel:
    „Du bist gegen jegliche Regel
    zur Erde gekommen,
    hast Platz weggenommen,
    und außerdem bist du ein Flegel.“

    Da sagte der Kegel zum Kinde:
    „Und bin ich hier auch nur Gesinde,
    will trotzdem ich‘s wagen,
    dir deutlich zu sagen,
    was du mich mal kannst – und verschwinde!“

    Es sagte die Birne zur Lampe:
    „Du bist eine schreckliche Schlampe.
    Dein Schalter macht’s dunkel,
    er sorgt für Gemunkel
    und ist auch zu schwach für ’ne Krampe.“

    Da sagte die Lampe zur Birne:
    „Dir ist’s wohl zu heiß um die Stirne.
    Pass auf, sonst passiert,
    was dich ramponiert –
    dann platzt dir der Wendel im Hirne!“

    Es sagte zur Brille das Auge:
    „Du glaubst wohl, dass ich hier nichts tauge.
    Du machst mir als Brille
    die Nase zur Rille
    und treibst ins Gesicht mir die Lauge.“

    Da sagte zum Auge die Brille:
    „Das war so des Kopfträgers Wille,
    und sollte ich gehen,
    dann kannst du nichts sehen,
    dann sorge ich optisch für Stille.“

    Es sagte der Haken zur Öse:
    „Wenn ich mich jetzt gleich von dir löse,
    dann rutscht der BH,
    und dann steht sie da
    und ist auch vermutlich sehr böse.“

    Da sagte die Öse zum Haken:
    „Wir sollten so’n Unfug nicht quaken.
    Viel besser, wir walten
    des Amtes und halten
    das Oberteil fest wie zwei Kraken.“

    Es sagte der Sclüssel zum Schloss:
    „Wie ich doch das Schließen genoss!
    Man sagt zwar, das Schließen
    sei fast so wie Schießen,
    doch schätze ich mehr das Geschoss.“

    Da sagte das Schloss zu dem Schlüssel:
    „Du hast doch ’nen Sprung in der Schüssel!
    Das Schließen genießen
    fast so wie das Schießen –
    versenk‘ dich in Rhein oder Düssel!“

    Es sagte ein Lehrling zum Boss:
    „Sie sitzen auf arg hohem Ross.
    Die Menschen gut führen,
    Befindlichkeit spüren –
    da braucht es ’nen wahren Koloss.“

    Da sagte der Boss zu dem Lehrling:
    „Du bist doch ein vorlauter Querling!
    Wenn’s weiter so redest
    und mich hier befehdest,
    dann bist du schon bald ein Entbehrling.“

    Es sagte ein Storch zu der Eiche:
    „Bevor ich aus diesem Nest weiche,
    will alles ich geben,
    zwar nicht grad mein Leben,
    doch Filmrechte an meiner Leiche.“

    Da sagte die Eiche zum Storch:
    „Am besten verziehst du nach Lorch.
    Die Fahrt auf dem Rhein
    kann schöner nicht sein.
    Der Dampfer, er läutet schon, horch!“

    Es sagte ein Kabel zum Radio:
    „Die Sendung „Andrea Palladio“
    am Donnerstagabend
    war salbungsvolltrabend –
    bestimmt von Redaktor Gennadio.“

    Da sagte das Radio zum Kabel:
    „Palladio ist eine Fabel.
    Da lässt man’s mal traben
    durch Wasser und Graben
    und hält dann am besten den Schnabel.“

    Es sagte ein Soll mal zum Haben,
    es wolle sich endlich mal laben
    mit Häusle und Baue
    un nit grad was klaue
    grad so wie die Leute in Schwaben.

    Da sagte das Haben zum Soll:
    „Was bist du doch bloß für ein Proll!
    Du willst dir was leisten,
    grad so wie die meisten?
    Dann mach doch das Konto mal voll!“

    Es sagte der Regen zum Wind:
    „Wo wir grad zusammen hier sind,
    da könnten wir peitschen
    die Nachbarn und Deitschen
    vom Vorgarten bis in den Spind.“

    Da sagte der Windstoß zum Regen:
    „Das sollten wir gut überlegen.
    In Deutschland, da draut
    die Autobahnmaut,
    und da hab‘ ich glatt was dagegen.“

    Es sagte der Weizen zur Spreu:
    „Du bist mir ja unglaublich treu.
    Drum muss ich schon rennen,
    damit sie uns trennen,
    worauf ich mich jetzt schon sehr freu‘.“

    Da sagte die Spreu zu dem Weizen:
    „Du tust dich ja unglaublich spreizen
    nach Strich und nach Faden
    mit Wertigkeitsgraden – .
    ‘s wär‘ besser, mit denen zu geizen.“

    Es sagte die Kimme zum Korn:
    „Egal doch, ob hinten und vorn.
    Du streckst ja die Nase
    so raus wie ein Hase
    und siehst auch noch aus wie ein Horn.“

    Da sagte das Korn zu der Kimme:
    „Es ist diese Haltung, die schlimme,
    die uns da entzweit.
    Drum weiß ich zurzeit:
    Mit dir ‚überein‘ ich nie stimme.“

    Es sagte die Flasche zur Post:
    „Im Wasser bekommt man nur Rost.
    Es wäre mir wohler,
    ich wäre viel hohler
    und wäre gefüllt nur mit Most.“

    Da sagte die Post zu der Flasche:
    „Geh lieber in Sack und in Asche!
    Es sendet die Post
    viel mehr noch als Most
    und steckt dich doch glatt in die Tasche!“

    Es sagte der Pudel zum Kern:
    „Du bist mir ja gar nicht so fern
    wie dieser Doc Faust,
    vor dem es mir graust,
    und trotzdem, ja, hab‘ ich dich gern.“

    Da sagte der Kern zu dem Pudel:
    „Du bist mir vielleicht eine Nudel!
    Verzichtest auf Fäuste,
    doch Köttel, die streuste.
    Wie hasse ich dieses Gedudel!“

    Es sagte die Flamme zum Feuer:
    „Du bist mir zwar nicht ganz geheuer,
    weil rundum du brennst
    und mich wohl nicht kennst,
    denn jedes Mal brennt hier ein neuer.“

    Da sagte das Feuer zur Flamme:
    „Ach, wie ich den Unsinn verdamme!
    Nun, lass schon das Gackern,
    geh lieber ans Flackern –
    ich bin doch hier nicht deine Amme!“

    Es sagte der Schatten zum Spiel:
    „Man sieht uns bei Sonne recht viel.
    Drum kommt uns der Regen
    so gar nicht gelegen,
    egal, ob in Köln oder Kiel.“

    Da sagte das Spiel zu dem Schatten:
    „Schön war’s, als wir Sonne nur hatten,
    denn selbst bei viel Schnee
    war’s hell und tat weh –
    da konnt‘ man das Spielen bestatten.“

    Es sagte der Sand mal zum Meer:
    „Du kommst ja von unten stets her
    mit freundlichen Grüßen
    und wäschst dann den Füßen
    der Leute die Basis ganz leer.“

    Da sagte das Meer dann zum Sand:
    „Du wirkst auf mich wie eine Wand.
    Da muss ich doch spülen
    und wirbeln und wühlen
    mit wellenbeschleunigter Hand.“

    Es sagte die Haut mal zum Haar:
    „Du, stellenweis‘ bin ich ganz bar.
    Es kitzelt kein Bärchen
    das Fell mir mit Härchen.
    Das war mir vor Wochen nicht klar.“

    Da sagte das Haar zu der Haut:
    „Du redest entschieden zu laut.
    Die Klarheit von Haaren,
    die früher mal waren,
    ist sicher in Ehren ergraut.“

    Es sagte das Heu mal zum Stroh:
    „Du liegst dort als Lager nur so.
    Doch ich dien‘ als Nahrung
    (so meine Erfahrung),
    und das wieder macht mich sehr froh.“

    Da sagte das Stroh dann zum Heu:
    „Was du da sagst, ist mir nicht neu.
    Für’n Lagererwalter
    hast du nicht das Alter
    und machst die zwei lovers nur scheu.“

    Es sagte die Tür mal zur Angel:
    „Skandal, wie ich hänge und hangel!
    Das ewige Schwingen
    an eisernen Ringen
    ist, technisch gesehen, ein Mangel.“

    Da sagte die Angel zur Tür:
    „Das siehst du ja nur clair-obscur.
    Das Hangeln der Angel
    ist niemandes Mangel
    und ist keine Pflicht, sondern Kür!“

    Es sagte das Licht mal zum Schatten:
    „Bei dir sieht man nicht mal die Ratten
    und andres Gesocks
    wie Esel und Ochs.
    Wie kannst du dir das nur gestatten?“

    Da sagte der Schatten zum Licht:
    „Du siehst das im Schatten zwar nicht
    und hast nur gelesen,
    das sei so gewesen,
    und spielst dich jetzt auf als Gericht!“

    Es sagte der Strich mal zum Faden:
    Wir lieben ja sehr die Geraden,
    und doch kann das Sprichwort
    vor allem mal mich „dort“... –
    den Rest gönn‘ ich gerne den Maden.“

    Da sagte der Faden zum Strich:
    „Das Sprichwort kann sicher auch mich.
    Doch wenn du zuerst
    das „Können“ begehrst,
    dann gib ihm ein Zeichen und sprich.“

    Es sagte der Donner zum Blitz:
    „Dein Zickzackkurs ist wohl ein Witz!
    Mit Zischen und Brausen
    den Himmel durchsausen –
    da wär‘ ich nicht grade drauf spitz!“

    Da sagte der Blitz zu dem Donner:
    „Du bist wohl ein Kölner, kein Bonner?
    Sonst müsstest du wissen,
    die Segel zu hissen,
    ist englisch „a matter of honour.“

    Es sagte der Kopf zu der Zahl:
    „Verzähl dich doch bitte einmal!
    Dann wär‘ ich beim Losen
    um Saft-Aprikosen
    in Front, und das ziemlich legal.“

    Da sagte die Zahl zu dem Kopf:
    „Du bist doch so schlapp wie dein Kropf!
    Du solltest dich rütteln
    und vor Gebrauch schütteln,
    doch „so“ – da gehörst du an’n Tropf!“

    Es sagte die Wand zur Tapete:
    „Zum Umziehen fehlt mir die Knete.
    Drum, bleib mal schön kleben.
    Es gibt ja im Leben
    auch Andres als etepetete.“

    Da sprach die Tapete zur Wand
    (und wörtlich, nicht rückwärts gewandt!):
    „Wenn’s nichts hier im Leben
    als Kleben sollt‘ geben,
    dann klebt wohl bei dir der Verstand.“

    Es sagte der Schneider zur Elle:
    „Ich trinke jetzt erstmal zwei Helle.
    Der Prüfer (vereidigt!)
    hat grad mich beleidigt.
    Er sagt‘, dass die Kunden ich prelle.“

    Da sagte die Elle zum Schneider:
    „Es ist ja schon seltsam, die Kleider,
    die ich mit dir messe
    für King und Mätresse,
    seh’n aus wie vom Hälseabschneider.“

    Es sagte die Sonne zum Mond:
    „Der Mann, der da angeblich wohnt
    bei dir in den Kratern
    mit all seinen Katern –
    was glaubt der wohl, ob sich das lohnt?“

    Da sagte der Mond zu der Sonne:
    „Das ist dem ’ne ziemliche Wonne.
    Wenn’s andersrum wär‘
    und käme dem quer,
    dann tät‘ er den Mond in die Tonne.“

    Es sagte die Krone zum Zacken:
    „Von mir aus, da kannst du dich packen.
    Ich bin nicht sensibel,
    schon gar nicht penibel.
    Drum sollen sie „ein“ dich mal sacken.“

    Da sagte der Zacken zur Krone:
    „Glaub‘ ja nicht, du könntest hier ohne
    mich dich präsentieren
    und Völker regieren!
    Die werfen doch glatt dich vom Throne!“

    Es sagte die Mütze zum Schal:
    „Der Kopf wäre ohne mich kahl.
    Dann hätten die Ohren
    genauso gefroren.
    Ich bin doch so recht genial.“

    Da sagte der Schal zu der Mütze:
    „Und ich bin dem Kopf eine Stütze.
    Wenn der mich nicht hätte
    an selbiger Stätte,
    dann wärst du als Mütze nichts nütze.“

    Es sagte der Samt mal zur Seide:
    „Wie sind elegant doch wir beide!
    Wir decken die Glieder
    der Frau’n und die Mieder
    und betten ganz weich ihr Geschmeide.“

    Da sagte die Seide zum Samt:
    „Das ist wohl ein Irrtum vom Amt!
    Zwar sind wir zwei weich,
    doch sind wir nicht gleich:
    Wenn’s brennt, werde ich nicht entflammt!“

    Es sagte der Bogen zum Bausch:
    „Wie wär‘ es mit Klatsch oder Plausch?
    Wir könnten was trinken,
    vielleicht auch versinken,
    wenn’s sein muss, in seligen Rausch.“

    Da sagte der Bausch zu dem Bogen:
    „Ich habe schon mächtig gezogen
    an Flasche und Fass.
    Ich bin schon ganz nass
    von innen – dort klatschen die Wogen.“

    Es sagte der Stein mal zum Bein:
    „Dein Eid von vorhin war wohl mein.
    Ich mag es nicht leiden,
    wenn andre beeiden,
    es könnte auch andersrum sein.“

    Da sagte das Bein zu dem Stein:
    „Nun fang doch nicht gleich an zu schrei’n!
    Ob dein oder mein Eid
    in völliger Reinheit –
    das klingt doch nach Jägerlatein!“

    Es sagte die Mark mal zum Bein:
    „So hart fast wie du wollt‘ ich sein.
    Doch jetzt gibt’s den Euro
    (auch bürgerlich: „Teuro“):
    der macht sogar Preise noch klein.“

    Da sagte das Bein zu der Mark:
    „Was du da sagst, find‘ ich echt stark.
    Doch hat sich’s im Leben
    oft anders ergeben,
    und totes Gebein liegt im Sarg.“

    Es sagte das Eis mal zum Schnee:
    „Bescheuert – du liegst und ich steh‘,
    auch häng‘ ich als Zapfen
    herunter wie Krapfen –
    kannst du das? Ich denke mal, nee!“

    Da sagte der Schnee zu dem Eis:
    „Erzähl‘ mir doch nicht solchen Schrott!
    Dass trotz deiner Zapfen
    die Leut‘ auf dir stapfen,
    das ist es, was jeder hier weiß.“

    Es sagte die Schnecke zum Haus:
    „Nun lass mich doch endlich mal raus!
    Ich bin es jetzt leid,
    hier vollends die Zeit
    im Loch zu sein, so wie die Maus.“

    Da sagte das Haus zu der Schnecke:
    „Wenn ich das hier richtig noch checke,
    dann kannst du nur meckern
    und Worte verkleckern.
    So pack dich doch, ab in die Ecke!“

    Es sagte der Vogel zum Nest:
    „Zum Glück bist du tief und recht fest.
    Dann klau‘n meine Eier
    nicht Elster und Geier,
    und ich bin kein bisschen gestresst.“

    Da sagte das Nest zu dem Vogel:
    „Sei froh drüber, dass ich nicht mogel.
    Ich kann von uns beiden
    dich weniger leiden –
    du reimst dich so blöde auf Kogel.“

    Es sagte der Fuchs zu der Ente:
    „Du kämst mir so richtig al dente.
    Ein Braten wie du,
    ja, das wär‘ der Clou!
    O wenn doch der Hirte nur pennte!“

    Da sagte die Ente zum Fuchs:
    „Beobachten kannst du wie’n Luchs.
    Doch stehst du in Schuld
    bei jeder Geduld,
    und das, lieber Freund, ist die Crux!“

    Es sagte die Henne zum Hahn:
    „Du glaubst wohl, du hätt’st freie Bahn
    und könnt’st die besteigen
    in munterem Reigen –
    das ist allerdings nur ein Wahn.“

    Da sagte der Hahn zu der Henne:
    „Nun knick dir mal nicht die Antenne!
    Die Hühnerhofnester
    schrei’n alle ‚Mein Bester!‘
    Da ist’s doch egal, wo ich penne!“

    Es sagte der Stift zum Papier:
    „Wenn ich hier nichts tu, steht nichts hier.
    Ich tu mich beim Schreiben
    schwer opfernd zerreiben,
    und das, flaches Blatt, merke dir!“

    Da sprach das Papier zu dem Stift:
    „Mein Name steht auch für „Die Schrift“.
    Und woll’n wir ergründen
    mal Umweltschutzsünden,
    dann steht hier dein Blei auch für Gift.“

    Es sagte die Sohle zum Schuh:
    „Ich rieche viel besser als du,
    denn Strümpfe und Socken
    zeerbröseln, zerflocken –
    das seh‘ ich als heil’ges Tabu.“

    Da sagte der Schuh zu der Sohle,
    geschossen wie aus der Pistole:
    „Und gehst du mal laufen
    und trittst in ’nen Haufen,
    dann riechst du noch schlechter als Kohle!“.

    Es sagte der Bergmann zum Schacht:
    „Du hast es mir dunkel gemacht.
    Wo immer ich gehe
    in dir oder stehe –
    stets herrscht da die finsterste Nacht.“

    Da sagte der Schacht zu dem Bergmann:
    „Wer Löcher sich bohrt hier im Berg, kann
    im Dunkeln auch holen
    Metalle und Kohlen.
    Er tut ein barmherziges Werk dann.“

    Es sagte der Teppich zum Boden:
    „Was sind das für seltsame Moden?
    Da kommt wer und saugt,
    obwohl er nichts taugt,
    und tut so, als wollt‘ er mich roden.“

    Da sagte der Boden zum Teppich:
    „Dich decken zwar Schnitzel von Eppich,
    doch soll’n die mich stören
    nicht mehr als die Gören –
    Ich spiel‘ Fred Astaire, und dann step ich.“

    Es sagte zum Siegel der Brief:
    „Ich glaube, du stehst etwas schief.
    Verdammt, dieser Kleister!
    Jetzt spür‘ ich die Geister,
    die heut‘ wer zum Siegeln berief!“

    Da sagte zum Brief dieses Siegel:
    „Ich bin von der Dichterin Miegel.
    Sie hat dich verriegelt,
    verschlossen, versiegelt
    und schickt dich Herrn Augstein vom ‚Spiegel‘.“

    Es sagte zum Schrank das Geschirr:
    „Die Enge hier macht mich ganz wirr.
    Ich kann es nicht fassen,
    dass Teller und Tassen
    hier sorgen für so ein Geklirr.“

    Da sprach zum Geschirr dieser Schrank:
    „Dein Meckern hier macht mich ganz krank.
    Willst Ruhe du haben
    statt Bienenstockwaben,
    dann schlaf‘ doch im Tresor der Bank!“

    Es sagte das Haus zur Fassade,
    dass es sich mit ihr nur belade,
    „die nichts mir bedeutet.
    Du hast mich erbeutet,
    und das wieder finde ich schade.“

    Da sprach die Fassade zum Haus:
    „Mit mir siehst viel besser du aus.
    Da wirkst du gekleidet
    und wirst noch beneidet.
    Nun mach‘ dir mal gar nichts daraus.“

    Es sagte das Bett zu der Decke:
    „So sehr ich mich unter dir strecke,
    bleibt offen ein Rand
    von vorn bis zur Wand
    und zusätzlich noch an der Ecke.“

    Da sagte die Decke zum Bett:
    „Das ist doch nun wirklich nicht nett!
    Du bist mir ja einer,
    ich bin doch viel kleiner,
    und du machst dich auch noch so fett!“

    Es sagte ein Foto zum Graf:
    „Du bist doch ein dämliches Schaf.
    Du tust wie von Adel,
    doch ist es nur Tadel,
    was dich im Entwicklungsbad traf.“

    Da sagte der Graf zu dem Foto:
    „Du sprichst zwar ‚allegro con moto‘,
    doch sind deine Schärfen
    nicht gut für die Nerven –
    und sicher kein Treffer beim Toto.“

    Es sagte das Wetter zur Fahne:
    „Du flatterst ja wie eine Plane.
    Potz Schlangen und Nattern,
    nun lass‘ schon das Flattern.
    Das ist ja die reinste Schikane!“

    Da sagte die Fahne zum Wetter:
    „Wo bleibt nur mein Held und mein Retter?
    Ich wart‘ auf die Sonne
    voll innerer Wonne,
    denn die ist zu Fahnen viel netter!“

    Es sagte zur Tasche der Dieb:
    „Nun sei, bitte, einmal so lieb
    und lass‘ dich bestehlen.
    Ich nehm‘ nur Juwelen.
    Das ist mein festes Prinzip.“

    Da sagte zum Dieb dann die Tasche:
    „Ich kenne natürlich die Masche.
    Doch heut‘ kann ich dienen
    allein mit Zechinen.
    Verschwinde, du elende Flasche!“

    Es sagte das Knie zum Gelenk:
    „Die Kniescheibe ist ein Geschenk
    zum Biegen und Beugen
    und nicht zum Beäugen
    und mag’s nicht, dass man an ihr renk‘.“

    Das sprach das Gelenk zu dem Knie:
    „So sah ich bisher das noch nie.
    Bei Biegen und Beugen
    denk‘ ich an Verheugen –
    gelenkig jedoch war der nie.“

    Es sagte der Knabe zum Mädchen:
    „Ich lieb‘ dich nach Strich und nach Fädchen.
    Ich möcht‘ dich betrachten
    und nicht hier verschmachten.
    Nun mach doch mal auf deine Lädchen!“

    Da sagte das Mädchen dem Knaben:
    „Die Lädchen sind fast so wie Waben.
    Mach Nägel mit Köpfen
    und komm sie erknöpfen.
    Dann will ich mich gern an dir laben!“.

    Es sagte der Laut mal zum Sprecher:
    „Du bist doch ein Trommelfell-Brecher,
    und sind die Membranen
    noch weich wie Bananen,
    dann blättern sie auf wie ein Fächer.“

    Da sagte der Sprecher zum Laut:
    „Was du da sagst, klingt zwar vertraut,
    doch hast mir zum Schaden
    die Kunden verladen
    und mir das Geschäft jetzt versaut.“

    Es sagte die Farbe zum Band:
    „Du bist ja ganz feucht, allerhand!
    Doch bitte nicht triefen
    auf Briefkopf und Briefen,
    wo stets das Adressenfeld stand!“

    Da sagte das Band zu der Farbe:
    „Du bist zwar nicht gelb wie die Garbe,
    doch bist du dieselbe,
    die heut‘ aus der Elbe
    ich fischte – als Fisch namens Barbe.“

    Es sagte der Wester zum Wald:
    „Man sagt wohl, es sei dir so kalt.
    Drum kann ich nicht glauben,
    dass Sommers in Lauben
    auf dich manch ein Loblied erschallt.“

    Da sagte der Wald zu dem Wester:
    „Das kannst du gern glauben, mein Bester.
    Bevor sie versinken
    in Kälte, da trinken
    die Leute gewaltig vom Trester.“